Beim Reisen findet man etwas, das man bewusst nicht gesucht hat!

Offenheit, Neugier und die Fähigkeit zu Staunen, dass sind die wichtigsten Punkte, die man sich beim Reisen unbedingt erhalten sollte. Des Weiteren ist unser Luxus die Verschwendung von Zeit. Wir haben ziemlich anstrengende Tage hinter uns und wir gönnen uns den Luxus der freien Tage, wann immer wir wollen. Es ist uns sehr bewusst, wie glücklich wir darüber sein können! In Santo Domingo Zanatepec treffen wir auf Rodrigo einem Englischlehrer und können dort die Nacht verbringen, er ist ein Warmshowers-Host. Zusammen mit Jonny einem jungen Radfahrer aus England und Rodrigo hatten wir einen netten Abend und konnten all unsere Fragen loswerden! Kurze Zeit später verbringen wir ein paar Tage in Chiapa de Corzo und treffen dort wieder auf Manon und Martin. Zusammen sehen wir uns dass Endspiel Frankreich gegen Argentinien an und es ist wie ein Thriller, der an Spannung nicht zu überbieten ist. Leider können wir ihnen am Schluss nicht gratulieren! Das Spiel dürfen wir im Wohnzimmer unserer Gastgeberin Laura in der Posada Portal del Sol ansehen. Eine liebenswerte Familie, die uns während des Spiels mit Essen und Getränken versorgt und mit den Franzosen mitfiebert. Überhaupt ist Laura eine Perle und sie ist so sehr bemüht es uns an nichts fehlen zu lassen.

Kaffee mit Ausblick
Die französische Belastungsgrenze beim WM-Spiel 🇫🇷 – 🇦🇷 ist erreicht!
Aber Martin kann sich rächen!
Entspannung pur!
Unser Engel Laura ♥️
Laura und ihre Familie

Der Weg hierhin war beschwerlich und mit vielen Bergen bestückt. Über mehrere Tage hinweg hatten wir stets über 800 – 1300 Höhenmeter zu überwinden. Zudem sind es Touren mit fast 100 km gewesen, da sind die Beine schon mal schlapp. Erschwerend kam hinzu, dass wir die windreichste Gegend durchfahren mussten. Hunderte Windräder stehen um uns herum und wie so oft, kommt der Wind nicht immer aus der besten Richtung. Allerdings konnten wir uns relativ glücklich schätzen, denn wir hatten bereits den Hinweis bekommen, sehr vorsichtig zu sein, da der Wind oftmals so heftig bläst, dass er sogar leere LKW von der Straße fegt. Scheinbar haben wir nur ein Lüftchen von dem abbekommen, was sich sonst wie ein Sturm anfühlt.

Uns begegneten unzählige Menschen zu Fuß, zumeist junge Männer und Frauen in Gruppen, manchmal noch kleine Kinder auf dem Arm, aber alle mit wenig Gepäck. Es sind zumeist Flüchtlinge aus Venezuela die innerhalb von 12 Tage die Grenze zu den USA erreichen müssen. Zu Fuß ist das niemals zu schaffen und es ist uns ein Rätsel, wie sie es in die USA schaffen wollen um zu emigrieren. In Richtung Guatemala, Honduras und El Salvador dagegen fahren LKW vor allem beladen mit Schrottautos aber auch allerlei technischen Geräten, die in den USA aussortiert wurden und in den genannten Ländern wieder aufbereitet werden. Es scheint, dass Mexico ein Transferland für Menschen und Maschinen nach und von den USA ist.

Was das Tierreich betrifft, haben wir zwar schon ein paar Exoten wahrgenommen, aber es hält sich noch in Grenzen. Ein Nasenbär stolzierte vor uns auf einer Mauer und gleichzeitig haben wir eine Waschbärfamilie erschreckt. Das ist das positive am berghoch kurbeln, man ist so langsam und geräuschlos, dass man Tiere beobachten kann. Dies sollte sich jedoch bei einer Bootstour entlang des Rio Grijalva ändern. Riesige Krokodile schwimmen im Wasser und zumindest, ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet. Vier bis fünf tummeln sich in einer Bucht und wir sind total fasziniert. Öfters kommt uns bei der dreistündigen Fahrt durch den wunderschönen Canyon der Gedanke, dass, das Boot doch bitte nicht gerade hier sinken sollte. Um uns ragen die Felswände bis zu 1000m in die Höhe und an den steilen Felswänden wachsen die Kakteen in den Himmel, dabei fragt man sich, wie können sie sich dort nur halten? Unzählige Vögel, Pelikane, Kormorane. Fischreiher oder Geier sind in der Luft oder auf dem Wasser. Aber auch hier ist die Umweltverschmutzung nicht zu übersehen.

Canyon entlang des Rio Grijalva
Irre Moosformationen unterhalb eines Wasserfalls

Zu viert machen wir uns auf den Weg nach San Cristobal de las Casas und haben den längsten Anstieg unserer gesamten Tour vor uns. Über 54 km müssen wir auf eine Höhe von 2200 Metern und dabei über 1800 Höhenmeter zu überwinden. Fast sechs Stunden lang fahren wir immerzu aufwärts und wir sind alle mächtig Stolz auf unsere Leistung und besonders froh anzukommen. Mit Gepäck ist es dann doch immer ein wenig mehr Arbeit. Immer wieder versinken wir in den Wolken, aber wenn der Nebel sich lichtet, haben wir grandiose Aussichten ins Tal und Bergspitzen die wesentlich niedriger sind als unsere Passstraße. In San Cristobal müssen wir unsere nächsten Schritte in Richtung Yucatan planen. Es gibt eine Straße, die wir auf keinen Fall nehmen werden und auch über das Auswärtigen Amt wird davon abgeraten, diese Straße 199 zu befahren. Von anderen Radreisenden wissen wir, dass selbst die örtliche Polizei sie nicht auf dieser Straße 199 von San Christobal nach Palenque fahren ließ.

San Cristobal de las Casas

San Cristobal de las Casas auf 2200 Metern Höhe
Wir vier sind ziemlich Stolz auf unsere Leistung von 54km bergauf fahren!

San Cristobal de las Casas liegt in einem Kessel mit hohen Bergen drum herum. Seit langer Zeit haben wir mal wieder Temperaturen, die uns unsere wärmende Kleidung und Schlafsäcke auspacken lassen. Für uns erscheint die Stadt in zwei Gebiete aufgeteilt zu sein. Die eine Seite ist die, auf Touristen ausgelegte Stadthälfte. Sehr schicke Läden mit Kunsthandwerk, Kleidung, Bars und Restaurants und die Seite in der das wahre Mexico stattfindet. Wir mögen beide Seiten der Stadt. Sie ist wirklich sehenswert und wir fühlen uns sehr wohl hier. Jedoch ist die mexikanische Seite so bunt, so quirlig, so ursprünglich, das wir Stunden dort verbringen könnten. Man begiebt sich von Markt zu Markt und der scheint sich endlos durch die Stadt zu ziehen. Es gibt so viele Marktstände, dass wir uns fragen, wer sind denn eigentlich noch die Käufer? Die indigene Bevölkerung nimmt hier einen großen Anteil ein, es ist vorwiegend die ethnische Gruppe der Tsotsil. Viele sind traditionell gekleidet und tragen in ein Tuch gewickelt, ihre Babys oder Kleinkinder am Rücken. Die Tracht besteht natürlich aus Röcken und eine Variante finde ich besonders originell. Der Rock besteht aus einem schwarzen Flockati-Stoff der bis zum Rippenbogen reicht. In der Taille ist er mit einem breiten Gürtel befestigt und als Oberteil eine enge, in Falten gelegte Bluse. Darüber tragen sie eine Stola um den Oberkörper zu wärmen. Subjektiv betrachtet erscheinen uns die Bundesstaat Oaxaca und Chiapas als die traditionellsten Staaten die wir durchfahren haben. Die Menschen sind weiterhin freundlich aber die indigene Bevölkerung eher zurückhaltend und auch wenn wir sie anlächeln oder ihnen zuwinken, sind sie nicht sehr empfänglich dafür. Aber auch dies ist ein sehr subjektives Empfinden. San Cristobal de las Casas ist definitiv die faszinierendste Stadt auf unserer Reise!

Templo de Nuestra Señiora de Guadalupe
Templo de Santo Domingo de Guzmán
Catedral de San Cristobal Mártir
Die vorwiegend traditionelle Kleidung in San Cristobal
Chicken, Chicken, Chicken!
Früchte,  Früchte, Früchte
Wunderschöne Blumen
Die gesuchte Frucht aus dem letzten Artikel ist eine Mamey oder Breiapfelfrucht! Danke für die Hinweise 😀
Happy Cyclists

Unsere Neugier hat sich nun auch in Bezug auf die morgentlichen Böllerschläge gestillt und ein Grund dafür sei wohl, dass die Braut, welche am Vorabend aus dem Elternhaus „entführt“ wurde, die Nacht beim Bräutigam verbringt und morgens mit zwei Böllerschlägen „begrüßt oder geweckt“ wird.

Taquileria/Tacos normalerweise sind die Maschinen nicht so neuwertig🙈

10 Gedanken zu “Beim Reisen findet man etwas, das man bewusst nicht gesucht hat!

  1. Christa Lebermann

    Liebe Sabine, lieber Uwe!
    Vielen, vielen Dank für eure tollen Reiseberichte. Ich bin immer wieder fasziniert und lese jeden Bericht mit großem Interesse. Ihr beide habt meine volle Bewunderung und meinen Neid!!!! Eure Bilder sind nicht zu übertreffen! Uwe, als Dein Handy verloren ging, hat mir das Herz geblutet, denn das kann man nicht ersetzen. Ich wünsche euch beiden eine frohes , gesundes und vor allem ein interessantes Weihnachtsfest in Mexiko. Ich bin gespannt auf eure Fotos.
    Für das neue Jahr wünsche ich euch alles erdenklich Gute, vor allem noch viele Kilometer mit heilen Reifen!!!!
    Ganz liebe Weihnachtsgrüsse aus der Heimat (Drestedt)
    Von Christa

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    1. Liebe Christa, vielen lieben Dank für die schönen Worte. Auf Weihnachten kann man sich hier irgendwie nicht so wirklich einstellen, fühlt sich dann doch fremd an. Aber wir genießen jeden Tag, auch ohne Weihnachtsfeeling! Wir hoffen doch sehr, dass wir uns in der Heimat dann auch mal wieder sehen, vielleicht magst du uns ja in Bleckede besuchen? Wir würden uns sehr freuen! Bis dahin, sonnige Grüße in die kalte Heimat 😀 und alles Liebe für dich!

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  2. Anja

    Soo viel zu sehen in San Cristobal und von Euch einmal mehr ganz toll im Foto eingefangen. Wie schön, dass wir Leser immer ein Stückchen mit Euch sein dürfen.
    Einen schönen, gemütlichen Weihnachtsabend und dann eine gute und hoffentlich sichere Weiterfahrt. Wie schön, dass Ihr für die nächste Etappe zu viert seid.
    Fühlt Euch ganz doll gedrückt 🙂
    Anja

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  3. Thomas Lengenberg

    Ihr lieben, wieder ein ganz toller Bericht und wenn ich irgendwann mal nach Mexiko komme hab ich ganz sicher das Gefühl schon mal dagewesen zu sein. Immer wieder danke für die tollen Eindrücke. Ich wünsche euch ein tolles Weihnachten in der Ferne, und fürs das neue Jahr wieder viel Abenteuer, Gesundheit und immer genug Kraft in den Beinen. Wir sind mit der ganzen Familie in Oberstdorf und wandern ein bisschen. Im Schnee . LG Thomas

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