Flach war gestern, wunderschön ist immer! Chełm – Zamość – Przemyśl

In unserem Blog nicht unerwähnt lassen, möchten wir den Ort Sobibór den wir durchfahren haben. Wir sind erst durch das Museum und der im Ort aufgestellten Gedenktafeln darauf aufmerksam geworden. Sobibór war ein Konzentrationslager!

In der Nähe des Bahnhofs Sobibór befand sich während der deutschen Besetzung Polens das Vernichtungslager Sobibór (1942-1943). Die Zahl der überwiegend jüdischen Ermordeten im Lager Sobibór wird auf 150.000 bis 250.000 Menschen geschätzt. Es wurde von der SS als zweites Vernichtungslager nach Belzec im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ errichtet und trug damals den Namen SS-Sonderkommando. Aktion Reinhardt ist ein Tarnname für die systematische Ermordung aller Juden und Roma des im deutsch besetzten Polen während des Zweiten Weltkrieges.
Am 14. Oktober 1943 befreiten sich  rund 600, zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Gefangenen dieses deutschen Konzentrationslagers, durch einen Aufstand gegen die SS-Wachen selbst.

Unser Pausentag in Chełm hat nicht ganz so geklappt wie eigentlich geplant. Ein wenig haben wir gehofft, dass die Ferienkinder in Polen bereits wieder auf dem Heimweg sind. Schließlich fängt bald wieder die Schule an. Weshalb sollte es hier anders sein als bei uns zuhause, denn  nachdem die Schulferien zu Ende sind, fahren alle Rentner und „sich selbst Berentete“ wie wir los. Die Touren zu den Kreidetunneln, die im frühen Mittelalter entstanden, waren für drei Tage ausgebucht. Alles Jammern half nichts, es war kein Platz für uns frei. Wie immer, verbringen wir den Tag trotzdem sehr entspannt, sind von Parkbank zu Parkbank gelaufen um uns auszuruhen und haben die Stadt über Wege erkundet, die sonst kein Tourist nehmen würde. Chełm selbst ist eigentlich schnell erkundet, wir schlenderten noch über einen kleinen Markt, dort verkaufen die Frauen oft nur Kleinigkeiten, ein paar gesammelte Pilze oder Heidelbeeren, Maiskolben oder Knoblauch. Ein Brauhaus haben wir  zum Abendessen auserwählt und eine leckere Pizza gegessen. Der Koch selbst servierte uns, mit ein paar Brocken deutsch, das Essen. Als wir aufgegessen hatten, erzählte er uns, bei ihm gäbe es die leckerste Haxe außerhalb Münchens. Zu spät angepriesen, jetzt waren wir leider schon satt.

Geschichtsträchtig ist die Basilika Mariä Geburt. Mal unter orthodoxer, jesuitischer oder römisch-katholischer Kirchenherrschaft geführt. Selbst als Munitionslager unter österreichischer Besatzung musste sie schon ihre Hallen öffnen.

Muss man damit rechnen, wenn es wärmer wird, dass es automatisch auch hügeliger wird? Wir glauben, ja! Damit wir wieder mal ordentlich ins Schwitzen kommen, nahmen die Hügel zu. Die höhere Umgebungstemperatur regt wohl die Störche an, sich in Gruppen zu Flugübungem zu treffen. Sie nutzen die Thermik und schweben permanent über unsere Köpfe hinweg. Noch, denn bald ziehen sie sicherlich in den Süden. Wir haben eine andere Wegstrecke als den Green Velo gewählt, da wir unbedingt den Ort Zamość ansehen wollten und dafür war jeder Hügel absolut ok. Die Stadt darf man nicht ungesehen liegen lassen. Zamość wurde ab 1578 unter der Leitung des venezianischen Baumeisters Bernardo Morando als Idealstadt erbaut und seit 1992 gehört die Altstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Als Idealstadt wird eine stadtplanerische Vorstellung bezeichnet, bei der von vornherein eine Vielzahl von Gesichtspunkten (wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch) mit bedacht und entworfen werden. Eine sehr beeindruckende Altstadt welche von einer Festungsanlage umgeben ist.

Dieser Radweg gab uns heute jedoch Rätsel auf…

Aus der Stadt Zamość gelangen wir erneut relativ easy und ohne viel Verkehr. Wir sind auch mal früh dran, also vor 9:00 Uhr. Auf dem Tourenplan stehen heute fast 100 Kilometer,  da ist frühes Aufstehen eine gute Idee, obwohl wir jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen und fast immer ca. zwei Stunden benötigen um endlich losfahren zu können. Erneut wird es hügelig und wenn man einen Teil der Polen-Rundfahrt fährt, kann man schon mal davon ausgehen, dass es keine Flachetappe sein wird. Den gleichen Weg nimmt auch eine Pilgergruppe, samt Plakat mit dem Abbild ihres Papstes Johannes Paul II. Sie Grüßen freundlich beim vorbeifahren und ihre Gesänge aus einem Lautsprecher begleiten uns den Hügel nach oben.

Wenn wir unseren Garmin befragen, dann haben wir bereits über 2200 Kilometer hinter uns gebracht. Dem Green Velo werden wir nur noch am Sonntag folgen, dann verlassen wir diesen tollen Radweg in Richtung Slowakei. Lange haben wir überlegt, wie der weitere Weg gehen soll. Gerne wären wir über die Ukraine und Rumänien weiter gefahren! Wir haben allerdings ein Problem mit unseren Schlafsäcken ( der aufmerksame Blog-Leser weiß bereits über dieses Endlosthema). Die Nächte sind kalt und die Schlafsäcke versprechen nur in der Werbung ein molliges Schlafgefühl. Jetzt haben wir endgültig die Nase voll und sie kommen weg. Wir lassen uns andere Schlafsäcke aus unseren Bestand in Deutschland zusenden. Dazu benötigten wir die Adresse eines netten Menschen, der uns das Paket annimmt. Diesen haben wir über Warmshowers gefunden und somit wartet hoffentlich bald ein Paket in Ungarn auf uns. Deshalb war die Route schnell gefunden. Es geht weiter über die Slowakei nach Ungarn. Warmshowers! We love this community of cyclists all over the world.

Frühstückskino im Hotel

Samstag fuhren wir erneut ca 100 km. Es war der bisher hügeligste Radtag aber dennoch kamen wir irgendwie schnell voran. Am Vortag hatten wir uns in ein Pensionat / Gasthaus  in Horyniec-Zdrój eingebucht. Wir lauschen Abends im Kurpark noch kurz einem Rock-Konzert und fallen müde ins Bett. Um 8.30 Uhr am nächsten Morgen gibt es Frühstück und wir sind pünktlich. Wir hatten gerade noch Glück und konnten unsere Teller füllen. Kurze Zeit später fiel eine Horde von Gravel-Biker in den Frühstücksraum ein und „fraß“ in Höchstgeschwindigkeit das komplette Buffet leer. Der Wirt konnte nicht so schnell nachfüllen, war es auch schon wieder leer. Dazu gesellte sich ein junges Pärchen welche auch Gäste des Hauses waren. Nachdem wir die Szenerie ein wenig beobachtet hatten, haben wir zumindest gecheckt, wenn man etwas zu essen bekommen will, muß man schnell sein und die richtige Gelegenheit abpassen. Besagtes Pärchen war weder schnell noch aufmerksam clever und dies bedeutete: hungern! So ist das im Leben, nur die Harten kommen durch! Die Gravel-Biker sind auf einer 1400km langen Tour vom Süden in den Norden Polens. Na, dass die Hunger haben und wenig Zeit, ist uns nun klar. Deren Ziel ist in 6 Tagen Gdańsk!

Unser Ziel ist die entgegengesetzte Richtung! Wieder auf unseren Weg sind es noch fast 100 km bis zu unserem Endziel des Green Velo. Wir fahren bis Przemyśl und machen dort auch zwei Tage Pause. Es ist der 22.08. und unser 13. Hochzeitstag. Um 11.28 Uhr gibt es ein „Hochzeitsfoto“ und danach sind es offiziell 13. Jahre. Das haben wir schon mal gut hinbekommen 😀. Zur Feier des Tages mieten wir uns ein tolles Apartment (incl. Waschmaschine!) und bleiben auch gleich drei Nächte. Der Weg war bis kurz vor Przemyśl abseits von Trubel und Autoverkehr, traumhaft und durch scheinbar endlose, einsame Wälder. Ein schöner Abschluss des Green Velo. Oft sind wir ganz nah der Grenze zur Ukraine und die Grenzstation in Sichtweite. Aber wir haben uns ja dagegen entschieden. Unser Apartment liegt direkt in der schönen Innenstadt und wir müssen nur ins nächste Restaurant „fallen“. Unser vier gängiges „Hochzeitsmenue“ läßt uns beinahe platzen so lecker war es und als wir auf den Marktplatz kommen, spielt noch eine Band Rockmusik für uns. Zum Abschluss machen wir noch einen kleinen Rundgang durch die Innenstadt und bestaunen dabei die hervorragend illuminierten prächtigen Kirchen. Wieder mal alles richtig gemacht!

Happy Wife, happy Life!

…das macht für beide das Reisen einfacher. 😉

Urlaub vom Urlaub!

4 Gedanken zu “Flach war gestern, wunderschön ist immer! Chełm – Zamość – Przemyśl

  1. Elke und Thomas H.

    Na, dann freuen wir uns morgen auf eine abwechslungsreiche Strecke nach Przemyśl. Eure beiden Pausetage in Przemyśl und unser heutiger Paustag in Horyniec-Zdrój ist das beste, was man bei diem Sauwetter machen kann.

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    1. Wir sind eine schöne ruhige Straße durch den Wald gefahren. War alles ganz nett bis auf die letzten 10-15 km….wenn man eben nahe zur Stadt kommt, wird es ja immer etwas hektischer.
      Das Wetter war wirklich gruselig die zwei Tage. Da machen Pausentage noch mehr Spaß.

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  2. Heidi Woith-Zoschke

    Das war ja ein super Hochzeitstag incl. kleiner „Hochzeitsreise“. Viel Spass weiterhin, und gutes Eintreffen der nachgereiste Schlafsäcke. Ich folge weiter mit Spannung und viel Freude.
    Ganz lieben Gruß von Heidi aus Ehestorf

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    1. Ja unsere Hochzeitstage sind oft anders als bei anderen Paaren. Den Ersten hatten wir vergessen 🤣 und im letzten Jahr führte unsere Radreise an diesem Tag durch ein Sonnenblumenfeld weil wir irgendwie den Weg verloren hatten. Also immer was los😀. Grüße nach Ehestorf.

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