Rumänische Kreuzungen sind nicht spannender als andere!

Ich sitze und warte an einer rumänischen Ampelkreuzung seit ca 1 1/2 Stunden. Langsam wird es unbequem auf den Stufen vor dem Fahrradladen. Uwes Problem mit der Hinterradnabe scheint größere Dimensionen anzunehmen. Um nicht in Langeweile zu verfallen, zähle ich die ausländischen Autokennzeichen. Bis jetzt 7 Deutsche, davon ein Wohnmobil, drei Italiener, ein Tscheche und zwei Ungarn ich muss also ziemlich aufmerksam sein um keines zu verpassen. Upps Update: einer mit Kennzeichen aus Quebec!?! Nach weiteren 30 Minuten noch ein Niederländer, Österreicher und Deutscher! Puhhhhh spannend! Eine weitere Stunden später, bemerke ich, ich war wohl doch längerfristig unaufmerksam!  Es sieht leider auch nicht gut aus in Bezug auf die Reparatur und zwischenzeitlich telefoniert Uwe mit unseren  Fahradhändler Bösche in Kirchweihe, evtl hat er ja noch ein paar Ideen. Nach insgesamt 4 Stunden wird es zäh und meine Sitzknochen machen sich mehr bemerkbar als nach 8 Stunden im Sattel, nun weiß ich wofür man immer eine gepolsterte Radhose dabei haben sollte 🙂 Wir beschließen die „alte“ Unterkunft nochmals zu buchen und müssen evtl weitere ein oder zwei Nächte in Arad bleiben. Über die Kreuzung kann ich berichten, die Ampelschaltung bleibt immer gleich, es gibt viele weiße Autos und die meisten stammen aus Rumänien!

Bereits als Uwe aus dem Fahrradladen kommt und wir zu unserer Unterkunft radeln, gibt das Rad keinerlei Geräusche mehr von sich. Seltsam im Laden knackete bis eben noch alles und Silvester, der Mechaniker, blieb ratlos zurück!  Unser Vermieter hat auch noch einen Bekannten, welcher ein sehr versierter Mechaniker ist und auch er kann uns nur ein paar Tipps telefonisch geben. Wir haben jedoch die  Telefonnummer und können uns jederzeit melden. Super Hilfe von allen Seiten. Am Nachmittag wollen wir uns dann endlich auch mal Arad ansehen. Die Städte in Rumänien sind unglaublich schön, vermutlich noch nicht alle so aufwendig renoviert wie Oradea, aber mit viel Charme, so auch Arad. Es liegt nahe der Westgrenze Rumäniens und ist eines der wichtigsten wirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen und kulturellen Zentren des Landes, das über Straße und Schiene mit Westeuropa verbunden ist. Durch die Stadt schlängelt sich der Fluss Mureş was nochmals mehr Flair bietet.

Auf dem Weg nach Arad mussten wir am Samstag noch einmal über die Grenze von Ungarn nach Rumänien. Da finden tatsächlich, im Schengenraum, Passkontrollen statt. Das lustige war der Grenzübergang. Links die Rumänen in einer quasi Blech-Bushaltestelle, rechts die Ungarn mit einem Kleinbus und auf der Wiese ein Dixiklo. Unsere Pässe wurden dann hin und her über die Straße gereicht und wir, nach kurzer kritischer Betrachtung, dann endlich durchgewunken.

Am Dienstag fahren wir weiter.  Unser Plan sieht vor, sobald wir in ca. zwei Tagen in Ковин / Kovin Serbien die Donau erreichen werden wir entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Knackt Uwes Rad weiterhin, fahren wir an der Donau nach „Hause“ wenn nicht, geht es weiter in den Süden. Aus der Stadt Arad geht es noch ziemlich unkompliziert. Immer wieder haben wir Radwege und der morgendliche Berufsverkehr hält sich in Grenzen. Dummerweise haben wir uns etwas mit unserem Plan, Campingplätze anzusteuern, von den Nebenstraßen weg bewegt und müssen nun die nächsten zwei Tage auf Hauptstraßen verbringen. Auf dem Weg nach Timişoara gibt es größtenteils keinen Randstreifen für uns und viele LKW ziehen passgenau an uns vorbei. Da ist konzentriertes Radeln angesagt. Wir sind froh einen Rückspiegel zu haben, da kann mann die Situation noch ein ein paar Sekunden vor dem Überholvorgang einschätzen. Entspannter wird es dadurch natürlich auch nicht. Wir können die Stadt Timişoara bereits 18!!!!Kilometer vorher sehen. Um uns ist das rumänische Flachland und wir können kilometerweit Weide und Ackerflächen sehen. Völlig busch- und baumlos. Dazwischen stehen viele Getreidesilos, die das Korn auch gleich verarbeiten. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto chaotischer wird der Verkehr. Riesige Kreisverkehre, 3-4 spurig, und wir kleinen Radler mittendrin. Nun sind es nicht nur die LKW sondern auch jeder Autofahrer möchte möglichst gerne „Körperkontakt“ zu uns halten. Wir versuchen über nichtvorhandene Rad- und Fußwege weiter zu kommen. Manchmal sind die Laternenmasten im Weg, oft parkt dort ein Auto, oft fehlt der Asphalt. Löcher in der Straße, Straßenbahnschienen längs und quer, Ambulanzwagen mit Sirene, Autos, LKW, Kinder, Hunde, ein Mann der uns einen Wanderstock (???) verkaufen möchte auf dem Maria steht, runter vom Weg und um die Hindernisse, Achtung ein Loch, Hofeinfahrt, Kreuzung, Straßenbahn, genervter Fußgänger, Fussgängerampel ist grün, aber wem interessiert es und ein weiteres Loch! Es ist laut und ich drehe gleich durch! Hilfe! Gegen die Fahrtrichtung auf einem kleinen Randstreifen schiebend, steuern wir den Campingplatz an, welcher nicht vorhanden ist und doch eigentlich der Grund sein sollte, weshalb wir diese Strecke gewählt hatten! Ein Schild zeigt uns die Einfahrt auf der Nebenstraßen an. Dort angekommen sitzt eine Dame hinter einem riesigen Gittertor welches sie uns auch öffnet. Der ganze Platz ist ziemlich verwahrlost und müllig und alles andere als ein Campingspot, allerdings hätte sie ein paar kleine Häuser zu vermieten. Ach nö lieben Dank, vielleicht doch ein kleines Hotel? Fürs gleiche Geld finden wir dann auch ein nettes großes Appartment. Die Stadt sehen wir uns nicht mehr an, wir haben keine Lust mehr raus zu gehen.

Endlose Weite!

4 Gedanken zu “Rumänische Kreuzungen sind nicht spannender als andere!

  1. Thomas H.

    Als Kind habe ich mich an der Kreisstraße auch in den Straßengraben gelegt und habe Autos und deren Kennzeichen gezählt. War schon spannend damals! Ich hoffe in Kovin zeigt euch euer Reisekompass den weiteren Weg nach Süden.

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