Gastfreundschaft die uns überwältigt!

Es bedarf eines extra Beitrags um die Gastfreundschaft in Kanada und den USA zu würdigen.

Um ehrlich zu sein, war die USA nicht unser bevorzugtes Reiseland. Es war jedoch für uns, unter Coronabedingungen, das am einfachsten zu bereisende Land. Wie sollten wir uns nur täuschen. Während unserer mehr als viermonatigen Reise haben wir unglaubliche Situationen erlebt.

Das Reisen mit dem Rad ist nicht immer nur ein Vergnügen! Hier mal eine kurze Zusammenfassung, was neben den vielen schönen Radreiserlebnissen zum Reisealltag auch dazugehört. Wenn auch nur selten, aber bei Regen oder Schnee mit Temperaturen die einen wünschen lassen, einfach nur zuhause am Sofa sitzen zu können und in eine warme Wolldecke gekuschelt zu sein, sind die härteren Tage die man überstehen muss. Im Gegensatz können dann Tage mit bis zu 40°C auf einem engen Highway ohne einen Seitenstreifen zur echten nervlichen Herausforderung werden. Wenn einen die Autos so nahe überholen, dass man den Atem anhält und froh ist, „überlebt“ zu haben. Wenn man uns merken lässt, wir sind Störenfriede auf den Straßen und uns dies mit Hupen oder Anbrüllen zu verstehen gibt. Manchmal sind es auch die Nebenstraßen auf denen wir Staub schlucken müssen, weil Autofahrer kein Gefühl dafür haben, dass wir ungeschützt der Staubwolke ausgesetzt sind. Einige Strecken mussten wir auch auf der Interstate/Autobahn zurück legen, weil es keine andere Möglichkeit gab. Dort ist es laut und es fühlt sich nicht nach entspannter Radtour an. Wenn dann auf vielen unserer zurückgelegten Kilometern der Wind immer heftigst von vorne weht, fühlen wir, dass wir dem Wetter oft schutzlos ausgeliefert sind!

Und genau zu diesen Situationen sind es die Menschen denen wir begegnen, die alles wieder in ein rosa Licht verwandeln! Weil sie für uns die Sauna heizen, damit wir wieder warm werden und uns baten doch bitte noch einen weiteren Tag mit ihnen zu verbringen.  Weil sie uns über die sozialen Medien zu sich nach Hause einladen um „Danke“ zu sagen! Danke, weil ihre Eltern in den acht Jahren, in denen sie in Deutschland lebten, so herzlich aufgenommen wurden. Weil es ihnen Spaß macht, unsere Geschichte zu hören, obwohl sie selbst keine Radfahrer sind. Weil sie uns zu einer weiteren Übernachtung einladen, damit wir nicht im wadenhohen Schnee radeln müssen. Weil sie uns zu einem Abendessen in ein Restaurant einladen, ohne uns je vorher gesehen zu haben – fast wie ein Blind-Date. Weil sie ein großes Herz haben und mit 87 Jahren immer noch Freude daran haben, uns zu beherbergen. Weil sie uns einfach auf dem Parkplatz des Supermarktes ansprechen und uns ihr Ferienhaus zur Verfügung stellen. Weil sie für uns den Grenzverkehr auf der Interstate an einer offiziellen Grenzstation sperren, damit wir sicher zur nächsten Ausfahrt gelangen. Weil sie für uns kochen und sich Gedanken machen, was Radfahrer gerne mögen. Weil sie uns abholen, damit wir eine steile Schotterpiste nicht fahren müssen und uns am nächsten Tag vollgepackt mit Essen wieder zum Ausgangspunkt zurück bringen. Weil sie uns zu einer Stadtrundfahrt einladen und organisieren, dass unsere Räder in der Zwischenzeit gut „bewacht“ sind. Weil sie uns nach Hause einladen, obwohl sie selbst nicht vor Ort sind. Weil der Grenzbeamte merkt, dass wir gerne hier sind und uns für weitere sechs Monate ein Visa gibt. Weil sie uns einen 20$-Schein in die Hand drücken, um uns ein Eis kaufen zu können und ganz erstaunt sind, dass wir ihnen das Restgeld zurück geben möchten. Weil sie uns mit den Rädern entgegen kommen und uns den Weg zu sich nach Hause zeigen. Weil sie uns ein kleines „Privatkonzert“ mit einem Dudelsack geben. Weil sie uns häufig mit ein paar Deutschkenntnissen überraschen. Weil sie uns eine sichere Reise wünschen und fragen, ob sie uns in irgendeiner Weise finanziell unterstützen können. Weil sie uns für zwei Übernachtungen einladen und uns einfach ihr Haus offen lassen, damit wir ein und ausgehen können, zudem ein Auto zur Verfügung stellen und uns am Schluss noch auf die Passspitze fahren, damit wir es einfacher haben. Weil sie neben uns am Seitenstreifen anhalten und uns zum Frühstück einladen. Weil sie uns Führungen durch ihre wunderschönen, außergewöhnlichen Häuser gaben und ein wenig mehr von ihrem Privatleben mit uns teilten. 

UND, weil sie uns gerade eben eine Wohnung zur Verfügung gestellt haben, damit wir eine längere Pause machen können, um wieder neue Kraft zu schöpfen! Wir sind überwältigt!

Unvergessen ist der Zahnarzt in Canada, der Uwe’s Zahn sofort, ohne Wartezeit und ohne Berechnung, ganz unkompliziert versorgt hat!

All diese Menschen sind einfach großartig, liebenswert und von so viel Herzlichkeit umgeben, dass wir überwältigt und unendlich dankbar sind, jede einzelne Person getroffen zu haben und Zeit mit ihnen verbringen durften.

Oft werden wir gefragt, was war die schönste Gegend, die ihr bereist habt? Wir haben bisher atemberaubende Landschaften gesehen, aber definitiv dass Beeindruckendste auf dieser Reise, sind die Menschen und ihre unendliche Gastfreundschaft!

Dankeschön –  there are not enough words to say thank you! ❤️

Reisen. Es lässt dich sprachlos, dann verwandelt es dich in einen Geschichtenerzähler. (Ibn Battuta)

12 Gedanken zu “Gastfreundschaft die uns überwältigt!

  1. Kann ich mich nur anschließen, einfach überwältigend, die vielen wunderbaren Begegnungen, die ihr bis jetzt hattet und die schlechten verblassen lassen. Es macht auf jeden Fall Lust in die USA u Kanada zu reisen. Mit dem Rad wäre es allerdings nicht soooo mein Favorit 🙂
    Liebe Grüße Britta

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  2. Martina Kardel

    Auch Ich sage Danke, dass ihr uns mit so schön, mitnehmenden Beschreibungen verwöhnt. Das Kopfkino wird gespeist mit aufregenden, herzlichen und interessanten Geschichten und lässt einen ein Stück dabei sein.
    Bestimmt, wie der letzte Bericht zeigt, nicht nur vergnüglich, aber bestimmt immer spannend! Ich wünsche euch eine schöne Zeit und bin gespannt was da weiter kommt….

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  3. Neugebauer Ralf

    Ein wahrhaft beeindruckender Bericht. Ich finde euch und eure Reise unglaublich inspirierend. In Wahrheit sind es die Menschen die einem sich nach Jahren noch in Erinnerung bleiben. Danke dass ihr uns teilhaben lasst. Grüße Ralf

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    1. Thomas

      Hi Ihr Beiden,
      Finde ich schön, dass Ihr all Euren tollen Bekanntschaften, Begegnungen und Gastgebern ein eigenes Kapitel gewidmet habt. Wirklich herzerwärmend, wie Ihr es auch schreibt.
      Und falls Euch bei Eurer Heimkehr kurz vor zu Hause die Puste ausgeht, seid Ihr herzlich eingeladen. Von Buchholz ist es dann nämlich auch nicht mehr so weit 🙂
      Herzliche Grüße und weiter wunderbare Erlebnisse
      Thomas

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      1. Moin, moin Thomas, bis Buchholz ist es zwar noch ein Stück, aber immer gut zu wissen, dass man willkommen ist. Lieben Dank für den netten Kommentar und herzliche Grüße in die alte Heimat! Sabine und Uwe

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