cycling the world | Der Radreiseblog

🇲🇦 Radfahren im Rhythmus des Hohen Atlasgebirges

Wir wollen aus Marrakesch raus und fahren erst mal in die falsche Richtung, dabei müssen wir einen der wirklich großen Kreisverkehre durchqueren. Autos, LKW, Pferkutschen, Mopeds und Radfahrer teilen sich die dreispurige Straße, die schnell mal fünfspurig wird. Ständig hupt es um uns und von beiden Seiten drängeln sich Mopeds vorbei. Man sollte es aber nicht für möglich halten, jeder passt wirklich auf jeden auf und sobald wir Handzeichen geben, bleibt man hinter uns. Da wir ja in die falsche Richtung unterwegs sind, haben wir den Kreisverkehr-Spaß gleich nochmals vor uns. Beherztes fahren und sich seinen Platz nehmend, funktioniert alles prima.

Der Blick von Marrakesch auf die Berge

Als wir endlich auf dem richtigen Weg sind, geht’s langsam aber stetig bergauf. Wir biegen von der Hauptstraße ab und kommen durch abgelegene Ortschaften wie Aïd Ourir. Die Stadt fasziniert uns auf Anhieb, es ist Markttag und dementsprechend ist viel los auf der Straße. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten sind die Taxis dort wohl Pferdekutschen, denn in Aïd Ourir sind die Wege voll davon und wir sind mal wieder, wie in einer anderen marokkanischen Welt. Wir machen eine kurze Mittagspause und zwei junge Mädels kommen auf mich zu, ziehen aus ihrer Tasche einen Schockoriegel den sie mir überreichen, lächeln verschmitzt und schon sind sie wieder weg. Ich kann sie aber auf der anderen Straßenseite ausfindig machen und möchte mich zumindest für diese außerordentlich liebe Geste bedanken. Mit Hilfe von Google-Translate bedanken ich mich auf französisch bei ihnen und bin sofort umringt von 10 Mädchen. Als ich sie frage, ob wir ein Foto zusammen machen können, stimmen alle Mädchen zu, außer diejenigen, die bereits einen Hidschab tragen. Da hätte ich doch mal wieder viele Fragen, die sich dazu in meinem Kopf bewegen.

Liebenswerte Geste der Mädels.
Shukran!

Das Atlasgebirge ist nun schon ziemlich nahe und wir „erklettern“ die ersten Berge bis auf eine Höhe von 1300 Metern. Obwohl wir auf einer Hauptstraße unterwegs sind, ist es ein sehr ruhiges Fahren, denn wir haben immer einen Seitenstreifen zur Verfügung. Wie so oft die letzten Tage  regnet es abends und deshalb sind wir froh, eine gute Unterkunft für die Nacht gefunden zu haben. Blitz, Donner, strömender Regen und Weltuntergangsstimmung wie die Tage in Marrakesch bleiben diesmal aus. Auch am nächsten Tag müssen wir nochmals 44 Kilometer bis auf eine Höhe 2260 Metern hoch kurbeln. Die Umgebung ist atemberaubenden schön und obwohl der Himmel bewölkt ist, haben wir eine grandiose Weitsicht ins Tal. Die Steigungen sind für uns sehr akzeptabel zu radeln und nach 5 Stunden inkl. vieler Stopps zum Fotografieren, kommen wir tatsächlich auf der Passhöhe des Tizi n’Tichka an. 

Tizi n’Tichka Pass
Passhöhe auf 2260 Metern mit Regen nur kurzes Foto
Traumhaft tolle Bergwelt
Alles muss einmal über den Pass transportiert werden.

Was sich bereits seit Stunden abzeichnet, prasselt dann auch endlich auf uns herunter. Ein Regenschauer auf 2200 Metern Höhe bei nur noch 6°C und das verbunden mit einem kräftigen kalten Wind, ist jetzt nicht gerade unser Wunschwetter. Glücklicherweise machen wir keine Pause sondern ziehen schnell die Regensachen über und hoffen, dass auf der südlichen Seite des Passes etwas besseres Wetter auf uns wartet. Unsere Taktik geht zwar auf aber wir frieren heftig beim Bergabfahren und sind heilfroh, als unsere Herberge in Sicht kommt. Völlig durchgefroren treten wir ein und zwei Radfahrerinen lächeln uns nett an und überlassen uns sofort den Platz am Ofen. Marokkanische Häuser haben oft keine Heizung und so ist es auch in unserer Herberge. Auf den Betten liegen dann in etwa 5 dicke Decken, damit man nachts nicht friert. Zum Glück haben wir unseren Schlafsack dabei, der wärmt immer schnell.

Am morgen des 28. März haben wir strahlenden Sonnenschein und bestes Wetter. Der Tag wurde einer der Highlights unserer bisherigen Tour. Natürlich erneut mit vielen Höhenmetern aber wir sind abseits der großen Straße und somit sind nur kleine PKW und vereinzelt Wohnmobile unterwegs. Die hohen Berge des Atlasgebirges sind verschneit und ganz nah, unsere kleine Straße schlängelt sich mal auf mal ab und immer entlang eines Flusses, durch viele kleine Ortschaften. Jetzt sind wir wirklich weit weg von großen Städten und das Leben der Marokkaner scheint geprägt von harter Arbeit und Entbehrungen. Wie sie den Winter hier oben auf 1700 Metern überleben, können wir uns nicht im entferntesten vorstellen.

Kleine Dörfer auf unserer abgelegenen Straße
⭐️⭐️⭐️⭐️-Pausenplatz
Diese Farbnuancen
UNESCO Weltkulturerbe
Aïd Ben Haddou

Kurz vor unserem Ziel, der Stadt Aïd Ben Haddou, bahnt sich der Fluss, dem wir bereits seit einigen Kilometer folgen, seinen Weg über unsere Straße. Pfiffig, wie die Marokkaner sind, stehen sie natürlich für jeden, der die überschwemmte Straße überqueren muss, bereit. Motorrad, Roller, Auto oder Wohnmobil werden von einem Fahrer über den Fluss gebracht – natürlich gegen einen Obolus. Auch unsere Räder werden uns gleich abgenommen und ein junger Mann bringt sie über den reißenden Fluss. Wir ziehen unsere Schuhe aus, krempeln die Hose hoch und schreiten mutig durchs Wasser, welches uns fast bis unters Knie reicht. 20 Dirham sollten wohl genug für den „rettenden Service“ sein.

Der Fluss Asif Ounila versperrt uns den Weg
Die hilfsbereiten Marokkaner haben alles im Griff!
Ziemlich tief und heftigen Strömung

🍺Buy us a Beer! 🍺

Lieben Dank an Hartmut 👍

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  1. Anja

    Herrlich 🌞
    Wie schön die Umgebung für Euch jetzt ist.
    Eine gute Weiterfahrt wünsche ich Euch 😘

  2. Erwin und Corine

    Hallo ihr beiden,
    Jetzt sehen und lesen wir eure bericht und fotos an aus der kalte Schweiz. Das ist etwa 30 gr unterscheid von letzte Woche in Panama. Wie schöne bildet und bergetappe!
    Geniesst es weiterhin. Wir sind an eingewöhnen. Herzlichen Grüsse Erwin und Corine

    • Herzlich willkommen zuhause! Es wird ja hoffentlich bald auch in der Schweiz wärmer, aber das ist natürlich schon eine gewaltiger Kälteschock. Gute Eingewöhnung und viele Grüße, Sabine und Uwe 🤗

  3. Gesine Reinke

    Ihr Lieben,ich verfolge eure Tour mit Spannung und großer Bewunderung.
    Ich bin gestern aus Marokko zurückgekommen,war dort auch mit dem Fahrrad unterwegs,allerdings in der Gruppe.
    Ich wünsche euch noch viele viele schöne und spannende Erlebnisse und keine Pannen!Gesine

    • Angelika Lyschik

      Hallo ihr beiden. Es ist unfassbar was ihr da leistet. Allerdings offensichtlich mit atemberaubenden Ereignissen. Ich bekomme oftmals Gänsehaut bei der Fotogallerie. Viel Spaß und Erfolg weiterhin. Gruß Angelika

      • Hallo Angelika! Lieben Dank, wir sind auch immer wieder überrascht, wie weit man mit so einen Rad kommen kann 😁. Im Gegensatz zur Küste, gefällt uns das Atlasgebirge wirklich sehr, sehr gut. Traumhaft schöne Gegend. Lg in die Heimat, Sabine und Uwe

    • Das hört sich gut an und lieben Dank für deine Mails! Freut uns sehr mit unseren Follower in Kontakt zu kommen. 🤗👍

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