Italy ­čç«­čç╣ Cycling Adriatica!

Ziemlich ungem├╝tlich ist es! Die F├Ąhre schaukelt uns durch die ganze Nacht. Es quietscht und knarrt auf der in die Jahre gekommen MS „Marco Polo“ und raubt uns den Schlaf. Morgens um 6:00 Uhr klopft eine monotone Stimme an unsere T├╝r, wir sollen aufstehen, die F├Ąhre legt gleich an. Ancona und der Hafen sind nun nicht die Highlights auf dieser Reise. Es ist 7:00 Uhr morgens, wir sind unausgeschlafen, es regnet, es ist kalt, windig, Rushour, 4 spurige Schnellstra├če und noch kein Fr├╝hst├╝ck in Sicht! Wir fahren direkt am Meer entlang! Sieht man sich die Landkarte an, erscheint es traumhaft. Ist man in der Realit├Ąt liegen zwischen Meer und uns, unz├Ąhlige Gleise und besagte Schnellstra├če. Idylle dahin! Um mir den Weg zu vers├╝├čen, singt Uwe alte italienische Schlager, wenn er den Text nicht mehr richtig kennt, dichtet er selbst. ZB. Laaala Bella Sengorina, ich kenne Sie alle, lalalla…..Na ich wei├č nicht ob ich das wissen will! ­čĄú  Nach einigen Kilometer stellt sich zumindest der Regen ein und es ist nur noch windig und kalt, aber das geht in Ordnung. Das Meer ist dadurch ziemlich aufgew├╝hlt und an Schwimmen ist nicht im entferntesten zu denken, die Kitesurfer haben den Strand erobert und schie├čen mit einer irren Geschwindigkeit ├╝ber die Wellen. Respekt! Das muss man k├Ânnen bei den Wellen!

Irgendwie sind wir nicht so im Italien- Rausch. Die K├╝stenstra├če ist eher unspannend und die Orte welche wir durchqueren, wirken wie verlassene St├Ądte. Dadurch zieht sich unser Weg mit Gegen- oder Seitenwind ziemlich z├Ąh dahin.

Bella Italia?

Die Campingpl├Ątze sind nat├╝rlich wie die meisten Hotels bereits geschlossen. Vorstellen, dort zu zelten k├Ânnten wir uns eh nicht. Sie liegen vor oder hinter der Bahnstrecke, sind dicht gestellt mit Wohnwagen der Dauercamper und h├Ątten f├╝r Tageszelt-G├Ąste sicherlich nur den Abstellplatz bereit. Wir bleiben in Pesaro. Ein sehr netter Ort, welches man aber erst auf den zweiten Blick erkennt, sobald man das Zentrum besucht.

Hotels, Hotels, Hotels! An Tausenden m├╝ssen wir schon vorbei geradelt sein. Entlang der K├╝ste gibt es wenig Abschnitte ohne Bettenburgen. Freie Strandzug├Ąnge sind Fehlanzeige, alles ist auf zehntausende von G├Ąsten ausgelegt. Wir sind froh, da├č bereits alles geschlossen hat und ein gem├╝tliches radeln entlang der kilometerlangen Promenade m├Âglich ist. Wir kommen nach Rimini, f├╝r mich seit fr├╝hester Jugend, der Inbegriff vom schrecklichen Massentourismus eines Italien- Urlaubes. Wir k├Ânnen uns gut vorstellen, wie es im Sommer hier brodelt.

Abschied vom Meer!

RAVENNA

Bella Italia sind definitiv die St├Ądte. Ravenna, eine wunderbare Stadt, welche schon unter den R├Âmern einen bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung verzeichnete, war in den Wirren des 5. und 6. Jahrhunderts der bevorzugte Regierungssitz in Italien und erlebte seine Bl├╝tezeit unter dem Ostgotenk├Ânig Theoderich. In der Zeit des Umbruchs von der Antike zum Mittelalter war Ravenna Hauptstadt des westr├Âmischen, ostgotischen und byzantinischen Italiens und war den oft wechselnden Herrschern weit wichtiger als Rom, das als Papstsitz zweitrangig geworden war. Aus dieser Zeit stammen auch die zum UNESCO Weltkulturerbe z├Ąhlenden Arian Baptistery├Ą und die Basilica San Vitale.

Basilika San Vitale, deren Bau 532 n. Chr. begann und 547 n. Chr. endete
Basilika San Vitale
Arian Baptistery

FERRARA

Ferrara war die erste moderne Stadt, geh├Ârte zu den wichtigsten Herrschaften und kulturell zu den Mitbegr├╝ndern der italienischen Renaissance. Es war eine der europ├Ąischen Hauptst├Ądte der Kultur, der Kunst, der Politik, der Gastronomie sowie Bezugspunkt f├╝r K├╝nstler, Dichter und S├Ąnger. Die Este-Dynastie, eine gro├če Familie exzentrischer und gebildeter M├Ązene, schaffte es, im Verlauf von drei Jahrhunderten eine l├Ąndliche Stadt in ein Meisterwerk der Renaissance zu verwandeln, das zum Welterbe der Menschheit geh├Ârt. Unter der Herrschaft der Este erlebte Ferrara seine bl├╝hendsten Jahrhunderte, in denen es wichtige K├╝nstler und Literaten beherbergte und in vielen Bereichen eine vorrangige Stellung einnahm.


Das m├Ąchtige Schloss der Familie dÔÇÖEste aus dem 14. Jahrhundert, ein Symbol von Macht und Gleichgewicht

Die Stadt Ferrara, die seit 1995 zu den Orten UNESCO-Welterbes geh├Ârt, erhielt Ende des 15. Jahrhunderts und Anfang des 16. Jahrhunderts sein heutiges Aussehen aufgrund eines st├Ądtebaulichen Entwurfs v├Âllig neuer Konzeption von Biagio Rossetti. 

Cattedrale di San Giorgio

Die 1135 geweihte Kathedrale vereint romanische und gotische Elemente in der Fassade. Im Inneren ist sie im Barockstil gehalten.

Um die Altstadt findet man eine Stadtmauer die ├╝ber 9 km mit dem Rad befahrbar ist. Angesichts der bereits zur├╝ckgelegten 90 Tageskilometer war es nicht wirklich unsere Ambition, diese Strecke auch noch zu absolvieren. Radtage sind aber auch so unterschiedlich! Hatten sich gestern die letzten 30 km wie Kaugummi angef├╝hlt und wir dachten schon wir kommen nie in Ferrara an, h├Ątten wir heute, nach weiteren 90 km immer so weiter fahren k├Ânnen. Beide Tage war das Wetter gut, die Landschaft heute spannender und der Wind weniger als gestern. Kleine Parameter sind unglaublich beeinflussend. Seit vier Tagen haben wir flaches Terrain. Anfang ziemlich unspannend und anstrengend,  da viel Hauptstra├čen aber von Ferrara in Richtung Verona haben wir endlich wieder sch├Âne ruhige Nebenstra├čen und den Po an unserer Seite. Wir befinden uns in der Obstplantage Italiens. Kiwi, Trauben und Apfelplantagen schl├Ąngeln sich entlang der Adige / Etsch welcher wir fast den ganzen Tag folgen und einen geteerten Radweg auf dem Deich nur mit ein paar wenigen Rennradfahrern teilen d├╝rfen. Daumen hoch zeigen sie uns an. Ab und zu w├╝rde sich gerne einer, der meist ├Ąlteren Herren, mit uns unterhalten was angesichts unserer nicht vorhandenen Italienischkenntnisse bereits nach dem „Ciao!“ oder Buon Giorna kl├Ąglich scheitert! Am fr├╝hen Nachmittag kommen die Vorboten der Alpen bereits ziemlich nahe, trotz unserer aktuell nur 23 m H├Âhe. Vielleicht noch ein /zwei leicht h├╝gelige Etappen und dann sind wir mitten in den Bergen. Alpen wir kommen!

Beinahe h├Ątten wir das wichtigste vergessen: GELATO! Ein Hochgenuss in Italien!

Gl├╝ck und Trag├Âdie am Stra├čenrand!

2 Gedanken zu “Italy ­čç«­čç╣ Cycling Adriatica!

  1. Elke und Thomas H.

    Ihr kommt ja gut voran. Die historischen St├Ądte in Italien begeistern uns auch jedes Mal aufs Neue. Und das Wetter in Norditalien spielt auch mit. Aber ab dem Brenner wird es mit kurzen Radlerhosen f├╝r dieses Jahr wohl vorbei sein. Weiterhin gute Reise!

    Gef├Ąllt mir

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