Radweg Via Claudia Augusta und Finale nach 5524 KM!

Die Fahrt von Meran nach Nauders haben wir uns durch eine Übernachtung in Laatsch ein wenig aufgeteilt. Bis dahin hatte der Weg eine gemächliche Steigung, noch geht es ganz gut zu fahren. Wir kennen die Strecke bereits von Rennradtouren und die Anstrengungen stehen noch aus. Bei einer kurzen Pause, eilt uns eine Frau noch hinterher um uns mitzuteilen, wir müssten doch den Weg nicht mit dem schweren Rad fahren, wir könnten auch den Zug nach oben nehmen! Niemals, lächele ich sie an und sie hält uns den Daumen hoch! Bei etwas mehr als 3 Grad gehen wir morgens die Hügel an, dabei wird uns schnell warm, allerdings im Schatten pfeift ein eisiger Wind um unsere Gesichter. Das ist ein Dilemma, man schwitzt, man friert und ist selten richtig angezogen. Wir müssen immer wieder Anhalten um eine kleine Verschnaufpause einzulegen und den Puls wieder auf normalen Schlagrhythmus zu bringen, aber sofort kühlt unser Körper aus. Ablenkung bring mal wieder die  Umgebung wir sind von hohen Bergen umgeben und kommen über den Haidersee und den Reschensee immer näher an unseren höchsten Punkt der gesamten Reise, bis auf über 1500 Meter über NN.  In Reschen sehen wir die versunkene Kirchturmspitze nicht im See, sonder aus dem Schlamm spitzen. Der See ist weitestgehend abgelassen, wohl wegen Wartungsarbeiten an der Staumauer. Auch ein interessanter Anblick fast ohne Wasser. Kurz danach sagen wir Italien auf Wiedersehen, reisen in Österreich ein und über Nauders auch gleich wieder aus. Um die Reschenpassstraße nicht fahren zu müssen, gibt es eine klasse Alternative über die Norbertshöhe in Richtung Martina in der Schweiz. Somit sind wir innerhalb kürzester Zeit in drei Ländern gewesen. Grenzkontrollen gab es auch in der Schweiz nicht für uns, denn der Weg führt direkt hinter der Grenzstation bereits nach einigen Kilometer wieder zurück zu den Ösis. Eine tolle Serpentinen-Strecke die richtig Spaß bringt, sowohl nach unten, als auch nach oben. Da wir beide Richtungen bereits gefahren sind, kannten wir die Straße gut und haben uns auf die Abfahrt gefreut.

Reschensee, oder was zur Zeit davon übrig ist!
Letzte Steigung in Italien!
Wir haben uns verewigt!
Norbertshöhe bei Nauders!
Inn auf schweizer Gebiet

Donnerstag, 21.10. fahren wir mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 70% los. Nach einigen Kilometer müssen wir auch schon unsere Regenausrüstung aus den Taschen kramen. Dabei treffen wir auf einen MTB-Tourguide welchen wir gleich in Bezug auf die Überquerung des Fernpasses interviewen. Lt. seiner Aussage, müssen wir nicht die Hauptstraßen nehmen, der Pass kann komplett über einen Radweg gefahren werden. Er hat uns noch erzählt, dass der Weg eine Schotterpiste sei und auf ca 300 – 400 Metern eine Steigung von 15 – 16% haben wird. Mit unseren Rädern aber sicherlich machbar. Guten Glaubens brechen wir also auf, um den letzten großen Pass unserer Tour zu erklimmen. Lieber Herr Tour-Guide, sei mal froh, dass wir nicht wissen, „wo Dein Haus wohnt“! Hatte er 300 – 400 Meter wohl mit 3 – 4 Kilometer verwechselt? Hatte er evtl. übersehen, dass wir kein E-Bike haben? Hat er evtl. nicht registriert, dass wir einen Haufen Taschen am Fahrrad haben und diese nicht nur mit Luft gefüllt sind? Hatte er evtl. nicht registriert, welche Gefahr von uns ausgehen könnte, wenn wir ihn je wieder zu Gesicht bekommen? Wir haben geschoben, bei mindestens 17-18% Steigung sind 3 Kilometer keine große Freude mehr. Die Arme werden lang, die Beine fangen an zu brennen und das Rad wird immer schwerer. Manche Tage sind härter als andere! Selbst als es dann den letzten Kilometer flach von der Schotterpiste zur Hauptstraße und der Abfahrt voran ging, waren unsere Körper wie leer gepumpt. Dennoch, habe vor allem ich, diese Schwerstarbeit lieber in Kauf genommen als über die verkehrsreiche Passstraße zum Gipfel zu fahren und Uwe hat es meinetwegen ertragen, da er wusste, wie ungern ich solche Gebirgspässe bei viel Verkehr fahren möchte. Überhaupt gibt es auf den Straßen eine Schwämme von Wohnmobilen, es vergehen keine fünf Minuten, ohne dass irgendwo ein Wohnmobil an einem vorbei rauscht.

Freitag und Samstag, erneut bei nicht mehr als 7 Grad Tageshöchsttemperaturen und Sonnenschein, rollen entspannter dahin als die vergangenen Tage und so schaffen wir fast 100 Kilometer am Tag. Wir sind nach 14 Wochen wieder auf heimatlichen Boden angekommen und erfreuen uns an den gemütlichen Dörfern im Allgäu und der bunten Herbstlandschaft. Aber nur so lange bis es an Uwes Rad ganz furchtbar schepperte. Die Spannungsvorrichtung des Ledersattel war abgebrochen, knallte gegen den Rahmen und machte einen riesen Knall. Der Sattel war natürlich nicht mehr nutzbar und im nächsten Ort konnten wir glücklicherweise schnell einen neuen aus der Restekiste bekommen. Glück im Unglück! Für die letzten 300 KM musste der reichen. Vor Augsburg fahren wir einen tollen Radweg durch die verfärbten Laubwälder welche durch die Sonneneinstrahlung noch farbenfroher erscheinen. Unsere Radreise geht dem Ende zu und wir sehen es wie immer mit gemischten Gefühlen. Natürlich freuen wir uns auf Zuhause und bei den kalten Temperaturen sehnt man sich nach einer warmen Umgebung, dennoch war es mal wieder einmalig, wunderschön und reich an Eindrücken und Begegnungen. Irgendwie sollte es nicht aufhören und doch ist es auch gut so!

Nach der Tour ist vor der Tour ✌

8 Gedanken zu “Radweg Via Claudia Augusta und Finale nach 5524 KM!

  1. Heinz Hauschild

    Vielen Dank für Eure spannenden, netten Reiseberichte, die ich sehr gerne gelesen habe. Vielleicht macht Ihr ja noch einen Vortragsabend und berichtet nochmal ausführlich.

    Beste Grüße aus Drestedt

    Gefällt mir

      1. Stefan

        Moin Ihr zwei Sattelratten,
        schickt mir bitte den Termin Eures Vortrags, die letzten hab ich ja leider nicht nutzen können. 😉
        Herzliche Grüße
        Stefan

        Gefällt mir

  2. Heidi Woith-Zoschke

    Hey ihr Beiden. Der Tourguide muss sich wohl wirklich versteckt halten. Mann o Mann. Und die Geschichte mit dem Sattel, hätte der Sattel auch weglassen können. Abernun gut, allles fein, ausser ,dass ich eure Berichte mit den schönen Bildern vermissen werde. Und wie geht es nun weiter ????????????
    Ganz liebe Grüsse und fröhliches Heimkommen wünscht euch Heidi

    Gefällt mir

  3. Elke und Thomas H.

    Schon bevor wir diese Zeilen gelesen haben, haben wir mitgelitten bei der Vorstellung, wie ihr den Fernpass wahlweise auf der viel befahrenen Hauptstraße oder auf der steilen Schotterpiste hinauffahrt/schiebt. Gut dass ihr euch bei diesem ungemütlichen Wetter die letzten paar hundert Kilometer nach Norddeutschland spart. Wir wünschen euch ein gutes Aufwärmen zu Hause.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s