Durch die Prärie in North Dakota

Wir haben dem Bundesstaat bereits Unrecht getan, bevor wir überhaupt in den Staaten gelandet waren. Bereits in Deutschland war unsere Vorstellung,  dass North Dakota sicherlich der Bundesstaat sein wird, der uns als Transitstrecke mit Augen zu und durch in Erinnerung bleiben wird. Zugegeben, er hat durchaus ein paar Strecken, die sich ziemlich zäh anfühlen, aber es gab mehr Strecken, die immer etwas fürs Auge bereit hielten. Sehr wenig Inrastruktur, aber sehr viel Natur! Freundlicherweise hat sich der Wind ein paar Tage mit uns vereint und dies trug sicher auch dazu bei, dass es uns sehr gut hier gefällt. Wenn man jeden Tag strammen Gegenwind hat, lässt die Fröhlichkeit irgendwann auch stark nach. Da hatten wir mal wieder Glück! Abgelenkt werden wir zusätzlich von einem Schwertransport, dem bereits drei PickUp vorraus fahren um die Straße zu räumen. Selbst uns bittet man vom breiten Seitenstreifen in die Glasflächen auszuweichen. Und da kommen doch tatsächlich drei beladenen LKWs mit jeweils einem Bungalow auf der Ladenfläche. Sie benötigen beide Fahrspuren. Nicht nur der Transport lässt unsere Münder vor erstaunen offen, auch die Geschwindigkeit der Trucks macht uns schwindelig. Die Rasen mit bestimmt 60-70 km/h an uns vorbei.

Bevor wir nach Bismarck kommen, übernachten wir im einzigen Motel des kleinen Ortes Sterling. Die kleinen Dörfer haben oft nur eine Tankstelle, einen kleinen Laden und ein Pub, aber große Silos für die Ernte. Riesige Traktoren, die hier Drillingsbereifung vorne und hinten fahren, ziehen Pflug und Saatmaschine gleichzeitig hinter sich her. Dennoch sehen sie auf den großen Feldern wie Spielzeugmaschinen aus. Sterling ist einer dieser Orte den die Landwirtschaft sehr prägt, sonst nicht viel zu bieten hat aber ein Motel. Wir würden sagen, man muss nehmen, was zur Verfügung steht, oder noch weitere 40 km mit Regenwahrscheinlichkeit weiter fahren.

Sterling Tops Motel
Endloses Auf und Ab!
Und so sieht dann das Streckenprofil aus!
Schöne Einfahrt zur Ranch
Das zieht alles ein Traktor!

DER WILDE WESTEN FÄNGT NACH BISMARCK AN!

Am Mittwoch, 8. Juni, kommen wir in Bismarck an und können sogleich unser Wissen erweitern. Der Ort wurde 1872 unter dem Namen Edwinton gegründet und bereits ein Jahr später in Bismarck umbenannt. Man wollte den damaligen Kanzler Otto von Bismarck ehren und hoffte damit deutsche Einwanderer in die Stadt zu locken. Die kamen jedoch nicht wegen des Namens, sondern weil 1874 in der Nähe Gold gefunden wurde. Bismarck ist die Hauptstadt des Bundesstaates North Dakota und dort sind wir bei Steve und Carol eingeladen. Beide haben schon fast ganz Amerika mit ihrem Tandem beradelt und haben eine Menge Tipps für uns bevor wir uns in den „wilden Westen“ begeben. Bisher verweilten wir im mittleren Westen und nun sind wir offiziell im Westen angekommen. Sie begleiten uns am nächsten Tag noch aus der Stadt heraus und über den Missouri-River, dem mit 4087 km längsten Fluss der Staaten. Er fließt nördlich von St. Louis an der Grenze zu Illinois in den Mississippi. Steve und Carol haben uns erzählt, dass es auf dieser Seite des Missouri-River nun vermehrt Viehauktionen und Rodeos geben wird. Zudem gibt es den Spruch, dass hier die Farmen keine Trecker mehr haben sondern Pferde! Ob dies stimmt? Auf eine Viehauktion oder ein Rodeo zu treffen, hoffen wir natürlich schon sehr, denn das wollen wir unbedingt mal sehen. Was wir ab und zu bereits sehen, sind Männer mit Cowboy-Hüten!

Danke Steve und Carol für den tollen Abend und eure herzliche Gastfreundschaft!

Nach Bismarck ist die Landschaft wie ausgewechselt. Eine sattgrüne, hügelige Graslandschaft die uns immer wieder zum Staunen bringt, weil sie so facettenreich ist. Wir sind in der Prärie angekommen. Wikipedia bezeichnet es als raues Mittelgebierge. Die Hügel sind bizarr, mal spitz ansteigend, mal wie ein Hügel mit Hochplateau, wellig in jegliche Richtung. Immer wieder bekommen wir eine unendliche Weitsicht in die Prärie. Hatten wir je behauptet, North Dakota wäre langweilig? Für ca 20 km biegen wir auf eine breite Schotterpiste ab und die Umgebung wird noch grandioser. Hier sind wir nun wirklich alleine. Ab und zu sieht man entfernte Farmhäuser und ab und zu kommt uns ein PickUp entgegen der uns einstaubt. Wir nehmen es gerne in Kauf, Hauptsache wir sind hier! Ein sensationeller Tag der nach 87 km in Glen Ullin sein Ende nimmt. Wir können in einem Park zelten und haben sogar ein Dach über dem Zelt. Diese Parkanlagen in den Dörfer sind klasse und wir würden uns wünschen, diese auch in Deutschland zu haben. Obwohl man sich eigentlich keine Gedanken machen müsste, achtet Uwe doch die ganze Nacht auf alle Geräusche um uns herum. Was uns aber beide aufweckt, sind morgens hunderte verschiedener Vogelstimmen. Nach Kaffee und Müsli machen wir uns auf zur nächsten Etappe nach Dickinson, wo wir einen Pausentag einlegen. Bereits zum zweiten Mal seit NYC überfahren wir eine neue Zeitzone. Es wird uns wieder einmal eine Stunde geschenkt und deshalb kommen wir bereits um 15:00 Uhr in Dickinson an. Läuft bei uns!

Saloon-Feeling bei „Miss Kithy“! So hieß die Dame doch immer im Film, oder?

Unser Standort nach 3819 km….

… wir können es selbst kaum glauben!

Fröhliches Wochenende!

9 Gedanken zu “Durch die Prärie in North Dakota

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