Durch die Badlands nach Montana

12. Juni wir sind in Medora! Der Regen prasselt auf unser Zelt und das bereits seit Stunden. Da an Kochen nicht zu denken ist, muss für das Abendessen improvisiert werden, somit gibt es Toast mit Pesto aus dem Glas als Aufstrich. Gesund war gestern! Zum Glück hat der Regen erst angefangen, als wir das Zelt bereits aufgestellt hatten und noch fröhlicher stimmt es uns, dass wir die heutige Tour bei schönem Wetter machen konnten, denn wir sind in den Badlands angekommen. Der Name trügt etwas, denn die Gegend ist wunderschön und hat so gar nichts mit der Namensgebung gemein! Wie aus dem Nichts verwandelt sich die Landschaft in ein raues Gelände mit stark erodierten, verschlungenen Labyrinthen aus engen Schluchten. Die Badlands im Theodor Roosevelt Nationalparkt bekamen ihren Namen von den Lakota’s, sie waren die ersten, die diesen Ort „mako sica“ oder „schlechtes Land“ nannten. Extreme Temperaturen, Wassermangel und das exponierte zerklüftete Gelände führten zu diesem Namen. Wir sind auf einer Nebenstraßen unterwegs die von Asphalt in eine Schotterpiste übergeht und auf der wir nach einigen Kilometer das Schild „Privat, keine Durchfahrt“ erblicken. Zu spät, umkehren ist keine Option und nach weiteren Kilometern sehen wir einen jungen Mann im PickUp welchen wir fragen, ob wir hier weiterfahren können. Selbstverständlich dürfen wir die Piste befahren, wir sollen nur auf die Rinder acht geben. Das wir die Strecke mit ihnen teilen haben uns schon die im Boden eingelassenen Gitterroste gezeigt. Sie sollen verhindern, daß sie von einem Gebiet ins andere wandern. Und da stehen sie schon vor einem dieser Übergänge. Links zwei Kühe und rechts einige mit ihren Kälbern und wir mitten hindurch. Puhhhh, die sind echt groß so nah! Diesen Weg haben wir gewählt um nicht die gesamte Strecke auf der Interstate/Autobahn fahren zu müssen, wir möchten einen Aussichtspunkt ansteuern, der uns einen Blick über die Badlands bietet. In North Dakota und Montana ist das befahren der Interstate mit dem Rad erlaubt! Langsam kommen wir auf eine Höhe von 850 Metern ü.N. und wir blicken plötzlich in einen unendlich weites Tal mit unendlich vielen Bergspitzen. Was für ein grandioser Ausblick! Wir fragen uns, wie kann eine Landschaft plötzlich eine so andere Form annehmen? Egal wo man ist, man findet in den Staaten immer schöne Unterstände mit Sitzgelegenheiten und so finden wir eine schöne Bank mit Tisch für eine Pause mit Kaffee und den Blick ins Tal. Sternchenplatz!

Badlands, North Dakota
Dan mit einem viel leichterem Gepäck als wir es haben!

Morgens hört es dann endlich auf zu regnen und wir bekommen das Zelt fast trocken verpackt. Einige Kilometer können wir auf dem alten Highway fahren und wir sind neben zwei oder drei Autos die Einzigen bis uns Dan entgegen kam. Er fährt X-Country und ist auf dem Weg nach Maine. Eine typische Route von West nach Ost. Er erzählt uns, dass ein paar Radfahrer vor uns sind, wir sind also doch nicht so alleine auf der Strecke. Nachdem wir bestimmt 15 Minuten gequatscht haben, fahren wir West und Dan weiter in den Osten. Die Badlands haben wir bereits wieder verlassen, aber die Landschaft ist immer noch bizarr anzusehen. Zwar wird die Gegend wieder ebener aber ein paar spitz zulaufende Hügel sehen wir immer noch um uns herum. Es lenkt von den Kilometer ab und dies scheint auch der Grund gewesen zu sein, dass wir nicht wie geplant, nach ca 60km den Tag in Wibaux beenden, sondern noch weitere 50km dran hängen, um heute noch Glendive zu erreichen. Dafür fahren wir wieder mal auf der Interstate und erreichen das Schild, das uns die Bundesgrenze von North Dakota zu Montana anzeigt. Natürlich gibt es ein Bild und passend dazu fährt zu gleicher Zeit ein Zug an uns vorbei. Normalerweise ertönt deren Horn nur bei Bahnübergängen, der Lokführer begrüßt uns jedoch lautstark und mehrmals in Montana. Ich bin so gerührt, dass ich im verborgenen ein paar Tränen kullern lasse, auch weil Montana eine magische Grenze für uns bedeutet. Natürlich hinterlassen wir auf dem Schild unseren Glorypedalling- Aufkleber bevor wir uns der Regenfront stellen. Vor uns dunkel, hinter uns dunkel, nur über uns noch ein paar helle Flecke, aber wir wissen bereits, dass wir dem Regen nicht entkommen können. Nach 110 km erreichen wir dann endlich Glendive und sehen nicht mehr viel von der Stadt, dafür sind wir zu müde.

Unser 7. Bundesstaat
Campingplatz-Idylle für nur 190$ die Nacht haben wir unser Zelt vorgezogen!
Brücke über den Yellowstone River in Glendive
Als Geschenk am Abend ein toller Regenbogen!

Evtl. hat der Regenbogen die nächtliche Regenfront angekündigt. Egal, wir liegen trocken und als wir am nächsten Tag den Himmel sehen, sieht alles prima aus! In Glendive haben wir den Yellowstone River überquert und man erzählte uns, dass sie sehr beunruhigt sind ob des Flusses,  der bereits viele Überschwemmungen in diesem Jahr verursacht hat. Kurze Zeit später hören wir über die Verwüstungen im Yellowstone National Park und das dieser im Moment aufgrund der verheerenden Schäden nicht betreten werden darf. Bis wir dort sind, braucht es sicher noch eine ganze Weile aber ob bis dahin die Straßen wieder befahrbar sind bleibt fraglich!

Die Flagge von Montana
The Treasure State

Montana ist etwa so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und hat aber nur ca. 1 Millionen Einwohner. Ich glaube da kann man sich gut vorstellen, wie einsam die Gegend um uns ist. In North Dakota hatte man uns gesagt, dass es dort riesige Farmen gibt, hingegen in Montana riesige Ranches zu finden sind. Den Unterschied sehen wir, denn unser Blick schweift bis zum Horizont und wir sehen keine Häuser, denn eine Ranch ist um einiges größer als eine Farm und somit ist die Gegend kaum besiedelt. Dabei ist sie aber in keinster Weise langweilig. Leicht hügeliges Grasland welches jedoch keinerlei Schutz gegen den Wind bietet und der sich heute, 14. Juni zu einem kleinen Sturm von vorne ausbreitet und uns 77 km ein wirklich schweres Radleben macht. Was können Tage doch anstrengend sein und man sehnt sich stundenlang nur das Ziel herbei.

Windgeschützter Pausenplatz an einer Tankstelle
Wildlife

2 Gedanken zu “Durch die Badlands nach Montana

  1. Wir haben heute Morgen von den Unwettern in Montana gehört und gesehen. Hier läuft morgens immer ein schrecklicher Sender, toll zum Frühstück… und haben gesagt , dass ihr noch gar nicht soweit seid. Ups, um so schöner zu hören, dass es euch gut geht. Passt auf euch auf und liebe Grüße aus der Hitze
    Karsten&Britta

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