UTAH – mit Backpulver im Schuh, aber ohne Milch im Reifen!

Am 10. September 2022 betreten wir den 12. Bundesstaat in ­čç║­čçŞ + ­čçĘ­čçŽ
Flagge von Utah

Wie weit und gro├č kann ein Land eigentlich sein? Wir sind in Utah und die Strecke welche wir nehmen, verspricht ziemliche Weite! Weit gekommen sind wir bisher auch ohne Plattfu├č, aber nach exakt 8947,5 km meldet sich ein Hinterreifen und wir finden einen kleinen spitzen Stein, der sich bis zum Schlauch vorgearbeitet hatte. H├Ątten wir Milch im Reifen, w├Ąre die Stelle einfach versiegelt worden! Das Prinzip eines schlauchlosen Reifens basiert darauf, dass man Dichtmilch direkt in den Reifen f├╝llt und jedes kleine Loch wird mit der Milch quasi abgedichtet. Da wir dass System nicht haben, haben wir einen klassischen Plattfu├č und k├Ânnen das kleine Loch auch direkt flicken. Wir hatten die Milch-Variante zuhause getestet und f├╝r uns hat es sich nicht als reisetauglich herausgestellt.

Jetzt wissen wir auch, weshalb kurz vor Utah noch f├╝r den letzten Getr├Ąnkeladen in Colorado geworben wurde!
Erster Plattfu├č!

Nachdem wir in Blanding ankommen, wird der Supermarkt gepl├╝ndert. Zu unserer ├ťberraschung m├╝ssen wir feststellen, dass es im gesamten Ort kein Bier zu kaufen gibt. Die Mehrheit im Ort, Mormonen, lehnt das ab. Somit ├╝ben wir schon einmal f├╝r die kommenden Tage, denn die n├Ąchsten 200 km gibt es keine Versorgungsm├Âglichkeit, auch sind keine bewonten H├Ąuser zu erwarten. Kurz nachdem wir uns auf die Strecke begeben, ist uns bereits klar, was dies bedeutet. Hier kann man nicht leben, vor allem von was? Wir sind in einer fantastischen, endlosen Weite. Ein wunderbares Nichts um uns herum. Rote Sandsteingebilde, endlose Schluchten, Stra├čen die sich hoch in die Berge ziehen und auf denen wir dann erneut nach unten rasen, damit wir einen nicht vorhandenen Fluss ├╝berqueren k├Ânnen. Es ist alles ausgetrocknet. Die erste Nacht verbringen wir nach ca. 75 km und vielen H├Âhenmetern, im Nationalpark Natural Bridges. Dort gibt es ein Besucherzentrum und dort ist auch die einzige M├Âglichkeit um wieder Wasser zu bekommen. Essen haben wir f├╝r ca. 4 Tage dabei. Der Campingplatz hat nur 13 Pl├Ątze und wir sind nicht alleine vor Ort. Dennoch ist es unglaublich ruhig und still um uns und wir meinen wirklich eine Stille, die man selten erleben darf. Kein L├Ąrm einer Stadt, eines Flugzeuges, fahrender Autos, Generatoren usw. Der Sternenhimmel ist pr├Ąchtig und da im weiten Umkreis kein Licht den Himmel erhellen k├Ânnte, blickt man in ein Sternenmeer.

Am n├Ąchsten Tag radeln wir durch den Glen Canyon und wir sind in einer Umgebung, die uns winzig erscheinen l├Ą├čt. Tiefe Schluchten, die vormals Fl├╝sse erkennen lie├čen und hohe rote Sandsteingebilde die bizarre Felsformationen angenommen haben. Heute ist alles ausgetrocknet und wir fragen uns, wie lange es wohl gedauert hat, bis sich das Wasser tief in die Erde gegraben hat. Es ist grandios, fantastisch, beeindruckend, es gibt nicht gen├╝gend Worte und wir k├Ânnen die Gegend nicht w├╝rdigend beschreiben. Die Bilder m├╝ssen f├╝r sich sprechen. Wieder einmal sind wir der Meinung, dass die Wege abseits der Touristenstr├Âme die bessere Wahl ist und wir k├Ânnen die Stra├če fast f├╝r uns alleine nutzen. Den n├Ąchsten Campingplatz, den wir ansteuern gibt es offiziell seit M├Ąrz nicht mehr. Es gibt jedoch wieder ein kleines Besucherzentrum, welches leer und verschlossen ist, eine Toilette mit Wasser und einen tollen Unterstand mit kilometerweitem Ausblick. Genau hier werden wir unser Zelt aufstellen. Zuf├Ąllig kommt der Ranger, der hier f├╝r die Wanderwege zust├Ąndig ist, vorbei. Er erkl├Ąrt uns, dass der Wasserstand des Lake Powell, welcher sich ca 600Meter weiter im Tal befindet, nur noch zu 30% gef├╝llt ist und somit keine Besucher und Touristen mehr hierher kommen. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Gegend nicht mehr attraktiv genug ist, um den Campingplatz ge├Âffnet zu lassen. Wir schlagen unser Zelt direkt am Eingang des Besucherzentrum auf und haben eine Bank mit Tisch inklusive. Chris, der Ranger wei├č Bescheid und hat es abgesegnet. Super Platz!

Zwischenzeitlich haben wir Besuch von einer jungen Klapperschlange welche sich im B├╝ro des Besucherzentrums eingenistet hatte. Das Zentrum ist seit M├Ąrz geschlossen und so hatte sie Zeit sich einzugew├Âhnen. Daneben gleich ein Skorpion. Sch├Âne Begr├╝├čung! Wir haben Australien ├╝berlebt, wird es wohl diesmal auch wieder gut gehen. Chris setzt die Schlange mit Stock und Besen bewaffnet, auf die „Stra├če“ und sie zieht ihrer Wege. Hoffentlich weit weg von uns!

Wie im Rausch fahren wir von Tal zu Tal und immer wieder ergibt sich ein anderes Bild dieser endlosen Landschaft. Wir erkennen in den ausgewaschen Sandsteinen Gesichter, Elefanten, Schildkr├Âten, Leuchtt├╝rme, einen General und sonstige Fantasiegestalten. Und dazwischen schl├Ąngelt sich der Colorado River (2334 km), der seinen besten F├╝llstand wohl auch schon lange hinter sich gelassen hat. Seit vielen Jahren gilt der durch D├╝rre, Trockenheit und Wasserentnahme bedrohte Colorado River als der am st├Ąrksten gef├Ąhrdete Fluss der USA, dabei ist er der gr├Â├čte und wichtigste Fluss im S├╝dwesten Nordamerikas. Die staubtrockene Umgebung l├Ąsst sich auch am Himmel wiederfinden, die Wolken sind zum Teil leicht rot gef├Ąrbt und wir nehmen an, dies kommt vom aufgewirbelten roten Sand.

Nach drei Tagen, 200 km mit Katzenw├Ąsche und viel Staub kommen wir in Hanksville an und wir wollen zuallererst mal wieder duschen und ein Bier. Jetzt kommt auch das Backpulver bzw. Baking Soda ins Spiel. Wir streuen es in die Schuhe um den Geruch zu nehmen. Es funktioniert ziemlich gut und wir sind froh, den Tipp von zwei ├Âsterreichischen Radlern bekommen zu haben. Aus Baking Soda stelle ich auch mein Deodorant mittlerweile her, es wirkt ziemlich gut. Hanksville hat gerade mal 200 Einwohner, einen kleinen Supermarkt, eine Tankstelle und einen Campingplatz mit ein paar netten Cabins, welche wir f├╝r zwei Tage mieten. Ansonsten ist der Ort wenig attraktiv aber f├╝r eine kleine Pause ist jeder Ort genau richtig! Wir sitzen auf unserer kleine Terrasse, schreiben. lesen, faulenzen, waschen unsere W├Ąsche und f├╝hren kleine Reparaturen am Fahrrad aus.

Glen Canyon

Br├╝cke ├╝ber den Colorado River
Canyon des Colorado Rivers, welcher durch den Lake Powell flie├čt und in den Golf von Kalifornien m├╝ndet
Unser Campingplatz direkt am geschlossenen Visitor Center am Hite Outpost
Und dies ist die Aussicht von unserem Campingspot
Eine der steilsten Stra├čen bisher auch wenn es nicht so aussieht!
Und der Blick nach hinten w├Ąhrend des Aufstieges!
Kleine, aber gef├Ąhrliche Biester

Von hier geht es nun weiter in Richtung Bryce Canyon und Zion Nationalpark. Gesch├Ątzt noch 1500 km bis nach Mexico ­čç▓­čçŻ!

4 Gedanken zu “UTAH – mit Backpulver im Schuh, aber ohne Milch im Reifen!

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