Paprika oder lieber Zuckerrohr?

Seit Tagen liegen Paprika auf der Straße. Grüne Paprika. Wundern können wir uns darüber nicht, denn die LKW sind bis über die Ladezone hinaus beladen. Eine kleine Plane darüber gezogen, soll wohl noch mehr Verlust verhindern. Da kommen wir doch gleich mal wieder mit unserer Logik daher, „nicht so hoch laden, nicht so hohe Verluste“ wäre unser Einwand. Nachdem wohl Paprika jetzt „aus sind“ finden wir Unmengen an Zuckerrohr vor. Wir wollen nicht gleich wieder mit der gleichen Logik nun auch die Zuckerrohr-Transporteure bekehren, schließlich können wir uns nicht um alles kümmern. 😉

Mexikanische Revolution! Feierlichkeiten über das gesamte Wochenende!

Als ‚Revolución Mexicana‘ oder ‚Guerra Civil Mexicana‘ wird die politisch-gesellschaftliche Umbruchsphase bezeichnet, deren Beginn auf das Jahr 1910 datiert wird, als oppositionelle Gruppen um Francisco Madero damit begannen, den Sturz des diktatorisch regierenden mexikanischen Langzeitpräsidenten Porfirio Díaz herbeizuführen. Die Erhebung gegen Díaz war der Beginn einer Serie von zum Teil überaus blutigen Kämpfen und Unruhen, die große Teile Mexikos erfassten und das Land bis weit in die 1920er Jahre nicht zur Ruhe kommen ließen. (Wikipedia)

Das Wochenende war geprägt von Feierlichkeiten, Paraden, Gesängen und viel Tradition. In jedem kleinem Ort gab es eine Fiesta und wir mittendrin. In Mixtlán wurden wir von einem netten Mexikaner angesprochen, mit dem wir uns sehr gut in englisch unterhalten konnten. Er lud uns zu einem Tequila ein, welcher der Beste jemals von uns getrunkene Tequila war. Aus privater Herstellung, abgefüllt in einer Weinflasche. Daraufhin wurde uns bewusst, dass es unter den Agaven auch unterschiedliche Sorten gibt und somit auch Tequila nicht gleich Tequila ist. Die Feierlichkeiten begannen um 17:00 Uhr mit einer Parade durch das Dorf. Genauso stellten wir uns Mexico vor, mit Gauchos und Chicas hoch zu Pferd, Sompreros und Cowboystiefel mit Sporen, Kinder mit Fahnen und Königinnen die auf Autodächern sitzend, durchs Dorf gefahren werden. Auf der Plaza kommen dann alle zusammen, es werden Reden gehalten, Tänze  aufgeführt, Essenstände aufgebaut und natürlich laut, sehr laute Musik gespielt. 🇲🇽 Viva la Mexico 🇲🇽

Chicas des Dorfes!
Gauchos des Dorfes!
Und der Nachwuchs des Dorfes!

Die Fiesta in Mixtlán fand noch ein relativ ruhiges Ende gegen 2:00 Uhr morgens. Ganz anders die Feier in Villa Corona. Die meinten es richtig ernst und  in der Stadt war kein Hotelzimmer zu bekommen. Wie immer, sind die Unwägbarkeiten am schlimmsten,  wenn man eh schon einen sehr langen und anstrengenden Tag hinter sich hat. Wir waren bereits über 110km mit beachtlichen Höhenmetern gefahren, haben uns in einem Ort mit einer groben Feldstein gepflasterten Straße, welche uns jeden einzelnen Knochen spüren ließ, völlig verfranst und mussten umkehren. Erschwerend kam hinzu, dass es auch schon bald dunkel wurde. Wir wollten nur noch duschen und die Beine hochlegen. Nach unzähligen Telefonaten und immer der selben Auskunft – kein Zimmer mehr frei – haben wir uns an einen Polizisten gewandt und um Hilfe gebeten. Er hatte uns noch ein Hotel genannt, welches wir noch nicht kontaktiert hatten. Hoch oben über der Stadt gelegen, hatte das Hotel Marakesch ein letztes Zimmer frei. Bereitwillig haben wir den Hügel auch noch erklommen. Bezüglich der Fiesta, lag das Hotel ganz gut, denn selbst auf dem Berg konnte man die Beschallung der Stadt bis morgens um sechs Uhr noch leise hören. Das Hotel war sehr schön, zumindest der erste Eindruck war so. Wir haben das Gefühl, nach Fertigstellung eines Neubaus, wird dieser dem Verfall bereits wieder preisgeben. Wir können uns gut vorstellen, wie das Hotel in fünf Jahren aussehen wird und dies haben wir schon häufig auch auf offiziellen Plätzen und Gebäuden beobachten können. Gebaut und schon wieder alt!

Eine Kuh so groß wie ein Pferd

Zwischen „Ohhhhh“ und „Oh“ liegt viel Klassenunterschied!

Mit dem Lago de Chapala erreichen wir den größten See Mexicos. Zu Beginn des Sees erfüllt sich das Klischees der Schönen und Reichen und wir können oft nur erahnen, welche tollen Häuser hinter den hohen Mauern versteckt sind. Die Mauern sind mit riesigen Zufahrtsportalen versehen und darauf Stacheldraht und Elektrozaun. Manchmal erhaschen wir einen Einblick, weil der Gärtner gerade eben das Tor öffnet. So konträr stellt sich zwischen den Anwesen jedoch zeitgleich die Wohnsituation vieler ärmerer Mexikaner dar. Wir wollen dies in keinster Weise bewerten, denn wir sind Gast und es steht uns nicht zu, wir wollen aber gerne die Gegend, in welcher wir uns bewegen erklären. Vor allen Dingen deshalb, weil wir weiter entlang des Sees radeln und obwohl wir nur ca zwanzig Kilometer weiter gefahren sind, erleben wir so einen krassen Unterschied. Obwohl beste Seelage, fahren wir durch das bisher ärmste Mexico, welches wir wahrnehmen. Hier gibt es manchmal noch nicht mal mehr ein richtige Haus, Planen halten als Außenwände oder als Dach her. Kein Komfort, keine Müllabfuhr oder fließend Wasser. Natürlich nicht überall, aber zunehmend in einer bereits armen  Umgebung, findet man die Ärmsten der Armen ebenso. Die Menschen sind nicht mehr so herzlich offen, sie winken uns nicht zu und wir fühlen uns als Eindringlinge in ein Leben, welches sie uns vielleicht gar nicht zeigen möchten. Ich fühle mich dann relativ schnell sehr unwohl und würde liebend gerne etwas schneller fahren, nur leider lassen es die Straßenverhältnisse nicht zu. Zum Teil muss ich sogar schieben. Nach ungefähr 10 km kommen wir wieder an eine ordentliche Strecke mit dann auch ordentlich Höhenmetern. Was ist das mal wieder für ein erlebnissreicher Tag, der am Abend mit einer Routenänderung endet.

Unsere weitere Route verläuft durch Michoacán. Nördlich befindet sich der Bundesstaat Guanajuato, nordwestlich  Colima und südlich Guerrero. Das Auswärtigen Amt schreibt unter anderem zu diesen vier Bundesstaaten: von einer Reise wird dringend abgeraten! Daran werden wir uns halten und checken bereits die Busverbindungen aus. Wir müssen noch 94km bis in die Stadt La Piedad de Cabadas radeln und versuchen dort einen Bus nach Puebla zu bekommen. Danach soll es mit einer weiteren Busfahrt nach Oaxaca weiter gehen.

Mit dem Bus in den Süden!

Zwischen all den Entscheidungen treffen wir auf Richard, einen wundervollen Warmshowers-Host, der viel zu erzählen hat. Er ist ein pensionierter Lehrer, der mit seiner Lehrergattin in vielen Ländern gelebt und unterrichtet hat. Ein sehr umtriebiger Pensionär mit eigenem Podcast und vielen Ideen. Wir haben den Aufenthalt wieder sehr genossen!

Danke Richard!
Sieht aus wie kleine Blütenansätze
Der Herr verkaufte auch frische Erdnüsse
Tolles Kunsthandwerk
Lago de Chapala

2 Gedanken zu “Paprika oder lieber Zuckerrohr?

  1. Thomas

    Wie immer – Danke an Euch beide „Amerikabummler“ für die fesselnden Reiseberichte und die tollen Bilder.
    Schön und beruhigend zu lesen, dass Mexiko Euch herzlich aufnimmt und viel zu bieten hat.

    Passt auf Euch auf und viel Spaß noch
    LG
    Thomas

    Gefällt mir

    1. Hallo Thomas! Immer wieder gerne 😀. Die Menschen sind wirklich herzlich und es ist eigentlich sehr schade, dass unser spanisch zu schlecht ist um uns mit ihnen zu unterhalten. Aber wir kommen trotzdem mit den Menschen in Kontakt und das ist dass Wichtigste dabei. Grüße aus Puebla

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s