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Mit dem Rad durch die Nullarbor Plaine. Tag 7 -12

Tag 7 – 116 km – Madura

Irgendwie sind wir in drei Zeitzonen unterwegs. Unser Smartphone zeigt eine andere Zeit als unser Garmin und in den Roadhouses wird eine Zeit angezeigt, die keines unserer Geräte aufweist. Egal, wir stehen früh auf und radeln eben bis wir unser Tagesziel erreicht haben. Heute war es ein wirklich zäher Tag, der uns wenig Abwechslung geboten hat. Anfangs noch mit guten Windverhältnissen, welcher jedoch zum Nachmittag drehte und uns die letzten 30 km sehr schwer und lang werden ließ. Dazu kam eine Regenfront auf uns zu. Dafür gab es unglaublich tolle Begegnungen am Straßenrand. Wir wurden von drei Fahrzeugen mit kalten Getränken versorgt. Zwei davon hielten neben uns an und wir konnten uns kurz austauschen und herzlich bedanken. Ein weiteres Fahrzeug hielt etwa 400 Meter vor uns an, jemand stieg kurz aus und fuhr dann weiter, bevor wir das Auto erreicht hatten. Als wir diese Stelle passierten, standen dort tatsächlich zwei kalte Wasser und zwei eiskalte Cola. So eine herzliche und berührende Geste, wie gerne hätten wir uns dafür besonders bedanken wollen.

Tag 8 – 91 km – Cocklebiddy

Der Tag fängt mit Regen an. Nach etwa einem Kilometer hatten wir bereits drei mal angehalten! Regenjacken an, aus, an! Wir fahren den Madura Pass hoch, was sich erst mal dramatisch anhört. Es sind jedoch nur 50 Höhenmeter, aber nach hunderten Kilometern flacher Ebene, sind 50 Höhenmeter am Stück schon mal was. Fünf Minuten später sind wir auch schon oben und rollen gemütlich bei Rückenwind weiter. Nach weiteren 25 km können wir die Regenjacken endgültig einpacken. Das Terrain wird wieder welliger und die komplett baumlose Ebene haben wir wohl hinter uns. Wir werden am Straßenrand von Tos mit Süßigkeiten beschenkt und einige Kilometer weiter versorgt uns eine junge Brasilianerin mit Wasser und zwei Brötchen. Brötchen, was für ein schönes Wort! Wir verschlingen diese mit einer aus der Dose kommenden Hühnchenpaste und es ist ein Festschmaus!

Tos der Süßigkeiten-Held

Die Road-Train-Trucker sind übrigens sehr umsichtig mit uns und überholen uns mit einem sicheren Abstand. Wir haben erfahren, dass sie sich über Funk unseren Standort weitergeben um alle darüber zu informieren, das wir, zwei Radfahrer, hier sind. Das finden wir schon mal ziemlich cool!

Tag 9 – 133 km – Baxter Gravel Pit

Losgefahren sind wir um 7:30 Uhr und hatten um 10:00 Uhr bereits 65 km! Möglich machte es uns eine erneute Zeitzone, die uns 45 Minuten schenkte. Damit sind wir nun in Perth-Zeit angekommen. Im Caiguna Roadhouse gönnen wir uns zu Mittag einen Burger mit Pommes und verfallen in eine Fressnarkose, denn das Weiterfahren fällt die ersten Kilometer schwer. Dort ist auch der Beginn der längsten geraden Straße Australiens, 146.6 km geradeaus. Wir finden dies nicht besonders, haben wir doch das Gefühl seit Tagen geradeaus zu fahren. Etwa zwei Stunden später, als die Kräfte langsam schwinden, träumen wir von einer kühlen Cola. Aber heute will einfach niemand anhalten und uns versorgen. Wir haben einen langen Abschnitt vor uns und je länger wir heute fahren, desto weniger steht morgen an. Und dann hat doch noch ein Aussi-Pärchen Mitleid mit uns und sie halten uns tatsächlich eine Cola und Wasser entgegen! Perfektes Timing. Kurze Zeit später haben wir nochmals Glück und ein Schweizer Paar versorgt uns mit Keksen, Wasser, Gatorade und einem alkoholfreien Bier. Es hilf echt Wunder und wir fühlen uns wieder fit um am Ende über 130 km geschafft zu haben! Unterwegs treffen wir Allan, unseren dritten Radfahrer auf dieser Strecke. Wir finden einen tollen Campingspot und genießen den kurzen Abend im Zelt bevor wir bereits um 21:00 Uhr das Licht ausknipsen und den gigantischen Sternenhimmel samt Milchstraße bewundern. Gute Nacht!

Danke, ihr habt uns wieder zum Leben erweckt!

Tag 10 – 115 km – Balladonia Roadhouse

Der Wecker klingelt um 5:30 Uhr und normalerweise benötigen wir für unsere Morgenroutine zw 1½-2 Stunden. Irgendwann bemerken wir, dass wir wieder eine falsche Zeit auf unseren Smartphones vorfinden. Somit sind wir nicht um 5:30 Uhr aufgestanden, sondern bereits um 4:45 Uhr. Da wir dann wohl gestern Abend auch bereits um 20:15 Uhr müde im Schlafsack lagen, fühlen wir uns zu früher Morgenstunde bereits fit. Heute gibt es nichts besonderes zu berichten. Ein ganz normaler, fast unspannender „Arbeitstag“. Aber wir sehen eine Kurve vor uns und damit haben wir die längste Gerade Australiens auch gemeistert! Kurz vor Balladonia kommen wir in das Brandgebiet, welches uns vor etwa zwei Wochen etwas ausbremste, da der Eyre Higway  für 5 Tage geschlossen wurde. Ein ziemlich großes Feuer scheint es gewesen zu sein. Nur gut, dass jetzt alles ok ist, obwohl man den Brandgeruch noch in der Atemluft wahrnehmen kann. Aus der Ferne sehen wir einen Punkt auf uns zukommen, es ist Tim Franklin. Wir hörten bereits, dass uns ein Läufer entgegen kommt und so steht er plötzlich vor uns. Tim möchte einen Weltrekord aufstellen, er möchte der schnellste Läufer sein, der die Welt umrundet. Super sympathischer Typ!

Tag mit Pause – 0 km – Balladonia Roadhouse im Regen

Es regnet heftigst seit Stunden und wir sind froh, daß wir ein Zimmer im Balladonia Roadhouse bekommen haben. Während der Nacht hörten wir den Regen auf die Erde prasseln und stellten uns vor, wie wir im Zelt „ertrunken“ wären. Die Böden können den Regen nicht aufnehmen und verwandeln sich eher in eine Schlammlandschaft. Was haben wir nur für ein Glück gerade hier zu sein. Wir beschließen eine Nacht länger zu bleiben und unsere müden Beine freuen sich. Den Pausentag verbringen wir mit Pflege unserer Räder und hochlegen unserer Beine.

Tag 11 – 145 km – Bushcamping

Was für ein Unterschied wir in den Beinen verspühren, nach einem Pausentag. Und als es wieder losging,  waren wir im flow und je mehr wir heute zurücklegten, desto weniger Kilometer sind es am letzten Radtag durch die Nullarbor-Plain nach Norseman, dem Ende der 1200 km ohne wirkliche Versorgung und Zivilisation! Unterwegs treffen wir unseren vierten Radfahrer, Konrad aus Polen, vor 8 Monaten dort gestartet und bereits durch Europa, Iran, Pakistan, Indien,  Asien und jetzt in Australien auf dem Weg nach Sydney. Zwei Jahre hat er insgesamt Zeit! Er beschwert sich über den Gegenwind, welcher uns die letzten 11 Tage als Rücken- oder Seitenwind vorantrieb. Diesmal waren wir die Glückskinder.

Die Umgebung ist wieder mit großen Baumbewuchs und durch den Regen erscheint alles in einem schönen, frischen grün. Ab und zu sehen wir eine gelb blühende Blume am Wegesrand. Die kleinen Seen, welche auf unserem Navibildschirm erscheinen, sind dennoch fast ausgetrocknet und quasi nicht vorhanden. Auf einem Rastplatz finden wir eine gute geschotterte Fläche welche uns bei erneutem Regen zumindest etwas Schutz vor dem Wasser bietet und wir schlagen das Zelt auf. Das Abendessen wird kurz, heiße Brühe zum trinken, je einen Wrap (dünnes Fladenbrot) mit Erdnussbutter bestrichen und drei Kekse die wir uns brüderlich teilen, fertig! Um kurz nach 21:00 Uhr schlafen wir schon ein!

Tag 12 – 48 km –  Norseman und das Ende dieses Ritts!

Da wir gestern so gut vorgelegt haben, hatten wir heute nur noch eine kurze Strecke, allerdings die Beine waren schwer. Durch die veränderte Landschaft, es wachsen wieder richtige Bäume am Straßenrand, sind wir jedoch abgelenkt. 2800 verschiedene Arten von Eukalyptusbäumen gibt es in Australien wovon ca. ⅓ in dieser Region vorkommen. Oberflächlich betrachtet sehen sie alle gleich aus, aber wenn man mal genau hinsieht, erkennt man auch die unterschiedlichen Arten. Mit ein wenig Sprühregen hatten wir fast den ganzen Vormittag zu „kämpfen“, aber als wir dann den Ortseingang von Norseman vor uns hatten, war es eh egal! Wir würden mal sagen: „We crossed the Nullarbor-Plain and it was quit a big adventure!“

Unseren ersten Laden den wir ansteuern war der Supermarkt und gleich geht es in den Getränkeshop!

Keine Angst, wir haben auch was vernünftiges gekauft!
Die nächsten Tage suchen wir einen schönen Ort um Pause zu machen und um Geburtstag zu feiern!

🍺Buy us a Beer! 🍺 Button

Prost ihr tollen Spender! Vielen lieben Dank an Britta D., Siegbert, Arne und Andrea und an den Wiederholungstäter Ralf! Ihr habt ja keine Ahnung welche große Freude ihr uns macht und wie sehr wir uns auf ein Bier freuen!

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Mit dem Rad durch die Nullarbor Plaine, die ersten 6 Tage

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Kleine Planungshilfe für Interessierte: mit dem Rad 1200 km durch die Nullarbor-Plain von Ceduna nach Norseman (ost ➡️ west)

  1. Glückwunsch – und quasi nachträglich herzlichen Glückwunsch sowie alles Gute zum Geburtstag!
    Liest sich großartig, euer Bericht.
    LG von jemandem, dem ihr letztes Jahr in Tromso begegnetet und der sich unlängst auf den Kanaren die Zeit vertrieb

    • Moin Dirk! Vielen herzlichen Dank für die Glückwünsche und die virtuelle Mitreise! Wir haben schon gelesen, die Kanaren, waren nicht ganz einfach! Bestimmt hast du ja schon weitere Pläne? Grüße von der Küste, Sabine und Uwe

  2. Elke und Thomas H.

    Bei eurer Begegnung mit Konrad aus Polen mussten wir an unsere Begegnung mit Łukasz, ebenfalls aus Polen, denken. Er ist gegen die Hauptwindrichtung von Dakar nach Marrakesch geradelt und war dementsprechend fertig, als wir ihn trafen. Das sind die wahren Helden! Die Sabines, Elkes, Uwes und Thomas, die mit Rückwind durch die Wüste „segeln“, sind im Vergleich dazu Weicheier. Aber Spaß beiseite, das war schon eine großartige Leistung, wie ihr die Nullarbor Plain gemeistert habt. Bei Wüstenlandschaften denkt man immer, sie wären monoton. Aber das stimmt überhaupt nicht, wie man in eurem Blog nachlesen kann. Falls ihr noch im Pausemodus seid, wünschen wir euch ein paar entspannte Tage, bevor ihre nächsten Herausforderungen auf 2 x 2 Rädern sucht.

    • Das Schönste daran war, wir hatten in den 12 Tagen, drei Radfahrer getroffen und keiner der drei Jungs hat sich übermäßig über den Wind beklagt! Sie haben es einfach akzeptiert! Helden!
      Und um ehrlich zu sein, man kann dagegen auch nicht ankämpfen, man muss einfach seinen Rhythmus finden und fahren, damit klappt es auch! Dennoch waren wir glücklich, dieses Mal die Glückskinder sein zu dürfen 😉

      • Elke und Thomas H.

        FB verrät uns gerade, dass Uwe heute Geburtstag hat. Happy Birthday! Feiert schön, ihr habt es euch verdient.

      • Vielen Dank ihr zwei, die Party läuft gerade so langsam aus. 🥳 Hier ist es ja schon etwas später. LG ✌️

  3. Hi, super! Gute Reise weiterhin! LG Herby

  4. Gillian Duffy

    Beer and chips are a fantastic celebration! Congratulations!! The Nullabor is on my list!!

    • Definitely worth to do it! Different experience than in other areas here, but worth to have it on a bucket list! 👍

  5. Karin,a

    Hallöchen ihr Vagabunden und ein lieben Moin Moin nach Australien.
    In Fraser Range Station gibt es was tolles zu sehen. Ein Museum mit nicht einheimischen Tieren und tollen Autos. Ich schaue alle Ortschaften im Google Maps an.
    Ihr habt wirklich ein Orden🥇🏆verdient, ich würde, wenn ich könnte sie mit kleinen Glücksbringer noch bestücken.
    Das Bier kommt später🍼🍺
    Ihr habt ja wirklich Glück 🍀mit den lieben Menschen die euch auf diesem verrückten 🚲🚲Unternehmen euch mit Bier, Cola, Wasser usw. versorgen. Ein tolles Lob für die Spender❣️
    Eure Erlebnisse bauen mich weiter auf und ich bin nur süchtig auf eure Berichte mit den genialen Fotos. Mich hat es hier sehr hartnäckig erwischt. Leider komme ich dadurch nicht zum radeln.
    Sabine, wie sehen die Roadhouse aus und die Betten dazu?
    Bleibt weiterhin gesund und mit besten Grüßen nach Australien

    Herzlichst Karin aus Hamburg 💖🚲

    • Hallo Karin! Das ist ja witzig, dass du über Fraser Range schreibst, es sah nämlich so aus, als ob es geschlossen wäre. 😂 Aber nun ist es auch zu spät, wir sind schon vorbei!

      Die Roadhouses sind nicht so spektakulär, eher zweckmäßig. Die Campingplätze dort sind zumeist verstaubte Flächen ohne großartig Windschutz. Zum Zelten eher ungünstig, da ist es direkt im Bush besser!
      Das Zimmer an unserem erzwungenen Pausentag war ganz ok. Schön ist anders! Aber dort bleibt man eigentlich keinen zweiten Tag, denn es ist jeder nur zur Durchreise dort. Fröhliche Grüße aus Norseman, Sabine und Uwe

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