cycling the world | Der Radreiseblog

🇲🇦 Col de Tizi Tigherrhouzine – 2645 Meter

Auf dem Weg zu unserem höchsten Berg dieser Tour, treffen wir in der Todra Schlucht Adam, einen Ungarn, der in einem trockenen Flussbett gezeltet hatte. Er war gerade dabei alles zusammenzupacken und wir fragten ihn, wie er von dort unten, denn wieder auf die Straße kommen will? „Na vielleicht mit eurer Hilfe“ antwortete er keck!

Adam aus Ungarn.

Na klar helfen wir und zu dritt zerren wir sein Fahrrad über riesige Steine zurück auf die Straße. Wie er dort nach unten gekommen ist, bleibt ein Rätsel. Wir fahren bis zum frühen Nachmittag zusammen und es gibt viel zu erzählen. Auch er hat seinen Job gekündigt um reisen zu können. Er war etwas früher mutiger als wir –  Adam ist 44 Jahre alt. Gemeinsam fahren wir durch die Todra-Schlucht, welche umgeben ist von bis zu 300 Meter hohen Steilwänden und  durch den Fluss Qued Todra entstanden ist, der nicht mehr wirklich sehr viel Wasser führt. Die Schlucht ist Anziehungspunkt für viele Touristen, aber auch viele Klettersportler werden von den Steilwänden angezogen und so sehen wir 5 Kletterer in schwindelnder Höhe. Nachdem wir die Touristenströme hinter uns gelassen haben, genießen wir den weiteren Weg durch das sich öffnende Tal, fast alleine. An einer staubigen Kreuzung machen  wir mit Adam noch Pause und kochen uns Kaffee bevor er links und wir nach rechts abbiegen.

Auf knapp 2000 Meter sehen wir Nomaden in „Zelten“ leben, zumindest hoffen wir, dass dies nicht ihr ständiger Lebensraum sein muss.
Und ja, es gibt noch wenige Nomaden in Marokko, primär Berber-Gruppen (Imazighen) in der Sahara und dem Atlasgebirge. Allerdings ist ihr traditioneller Lebensstil stark bedroht, denn ihr Anteil sank von ca. 50 % vor 1956 auf heute nur noch etwa 2-3 % der Bevölkerung. Viele leben mittlerweile als Halbnomaden, die saisonal zwischen Berg- und Wüstenregionen ziehen.

Wir übernachten in einem wirklich verstaubten Dorf, der Art wie wir sie auch in Südamerika gesehen hatten. Wir könnten also auch in Argentinien, Bolivien oder Chile sein. Das Zimmer ist sehr einfach und das Bett Steinhart, aber für die bevorstehenden Temperaturen im einstelligen Bereich, gut genug. Zudem werden wir mit einer leckeren Tajine verwöhnt. Die Jungs, die die „Beherbergung“ leiten, sind super nett und hilfsbereit. Sie schreiben uns in unseren Übersetzter: “ ihr seid die nettesten Gäste, die wir hatten“!

Tolle Gastgeber in Aïd Hani
Einkaufsmöglichkeiten in Aïd Hani

Übrigens Tajine ist ein rundes aus Lehm gebranntes Schmorgefäß mit einem kegelförmigen Deckel. Das darin gekochte Gericht wird ebenso genannt und stammt aus der Berberküche. Geschmort wird darin meist Lamm oder Huhn mit Gemüse. Sehr lecker!

Am 6. April gehen wir die letzten 18 km zum Gipfel unseres höchsten Passes in Marokko an. Der Col de Tizi Tigherrhouzine hat es in sich. Die letzten 6 km zur Passspitze haben lange und sehr steile Passagen mit bis zu 14% Steigung. Am fiesesten sind die Abschnitte, die anfangs nicht so aussehen als ob es so steil werden würde und dann so richtig in den Beinen weh tun. Aber irgendwann ist man auch mal oben angekommen und wir treffen dort gleich auf ein deutsches Radfahrerpärchen. Es weht ein kalter Wind über den Pass und nach dem Gipfelbild, geht’s abwärts.

Geschafft!
Ja, es ist kalt hier oben!

Die Abfahrt bis Imilchil ist mit Rückenwind mehr als entspannt. Wir wundern uns darüber, dass so gut wie gar keine Autos fahren und wir die Straße für uns alleine haben. Die Antwort ist schnell gefunden, die hier lebenden Menschen haben keine Autos. Wir kommen durch Dörfer, die sehr ärmlich aussehen und sofort fällt uns auf, hier scheint es als Fortbewegungsmittel nur noch Esel zu geben. Wie schwer es die Menschen hier haben, können wir nicht im entferntesten erahnen. Die Frauen auf den Straßen tragen schwere Pakete auf ihrem Rücken, glücklich sind die, die zumindest einen Esel haben, der ihnen die Last abnimmt. Zur Mittagszeit kommen sie von ihren Feldern zurück und transportieren Gras, Brennholz oder Kräuter. Obwohl wir auf einer gut geteerten Straße fahren, verwandelt sich diese durch die Dörfer, oft zu Schotterpisten. Wir sind immer noch auf einer Höhe von 2200 Metern und sehen auf den naheliegenden Bergspitzen noch etwas Schnee liegen. Dies bedeutet sicherlich, dass die Dörfer im Winter verschneit sind. Ohne Heizung, ohne Isolierung und schlechten Fenstern. Wie überleben Sie nur hier oben?

Hartes Leben – für Mensch und Tier
Give me five!
Dörfer im Hohen Atlas auf über 2300 Metern.

Wir haben nun den Hohen Atlas zwei mal überquert und so wunderschön die Gegend ist, so anstrengend war es auch. Seit vielen Tagen fahren wir unendlich viele Höhenmeter und unsere Körper sind wirklich müde, von der Höhe, der  Anstrengung und von der Kälte. Danke an den Wind, der uns oft stramm von hinten begleitete (wir litten mit den armen Radfahrer die in die entgegengesetzte Richtung fuhren). Aber, wir würden die Route sicherlich wieder genauso wählen. Marokko ist eine Wunderkiste in Bezug auf Landschaft, ihre Menschen, Dörfer und Städte. Dennoch haben wir immer noch einige Höhenmeter zu schaffen, bevor wir wieder am Mittelmeer ankommen.

Den Hohen Atlas nun im Rücken!
Transportable Shell-Tankstelle

🍺Buy us a Beer! 🍺

Ein fröhliches Dankeschön an Gesine, Anne & Dieter und Christa. Großartig 🤗

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  1. jovialblizzard31f73bf6e7

    Hallo ihr zwei Radler,

    wir sind jetzt durch Zufall per Instagram auf euch und euren tollen Blog gestoßen und haben festgestellt, dass wir offensichtlich ein paar Gemeinsamkeiten haben. Alter, Radelbeginn und – philosophie dazu und dass ihr uns letztes Jahr zumindest bis Tiflis ca. 3 Monate voraus wart. Nun mit eurer Marokkotour sind es doch schon ca. 7 Monate. Aber wir bleiben jetzt dran, auch an euch und euren Touren…. 😉
    Wenn ihr wollt, schaut mal in unseren (leider erst seit 2024 existierenden) Blog „einfachlosgeradelt.de“ rein, die Vorworte werden euch bekannt vorkommen, so wie uns z.B.eure jetzigen Erfahrungen mit „Wohnmobilisten“ in abgelegenen Gebieten…
    Gute Fahrt euch weiterhin und viele Grüße von Berit und Thomas aus Dresden!

    • Hallo nach Dresden!
      Wie schön, dass ihr uns gefunden habt. Wir bereiten also die Wege für euch vor und hoffen, dass ihr ähnlich tolle Begegnung hattet, wie wir – in der Türkei und Georgien und dann auch bald in Marokko. Die Marokkaner sind sehr herzlich und gastfreundlich und auch ziemlich umsichtig auf den Straßen. Allerdings sind wir nun auch froh, wenn wir mal wieder in flacheres Terrain vordringen, wir haben viele Höhenmeter die letzten Wochen hinter uns gebracht. Aber jeder einzelne Kilometer war es wert.

      Wir werfen gerne einen Blick auf euren Blog, machen in Fes drei Tage Pause, da bleibt Zeit zu lesen.

      Fröhliche Grüße, Sabine und Uwe

  2. Anja

    Hallo Ihr beiden Gipfelstürmer,

    es ist wirklich eine beeindruckende aber karge Landschaft die Ihr uns hier zeigt.
    Aus unserer privilegierten Sicht nicht verständlich, was die Menschen hier hält und leben lässt.
    Mir hat es wieder ausgesprochen gut gefallen Euch abermals ein kleines Stückchen auf Eurem Weg „begleiten“ zu dürfen 🫠😘

    • Liebe Anja! Ich glaube, du kannst dir nicht vorstellen, wie schön es ist, eine Nachricht zu bekommen! Es verbindet uns so sehr mit dir, mit unseren Lesern und den Menschen, die uns virtuell begleiten. Lieben Dank 😘 und herzliche Grüße in die Heimat 🤗

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