
Nach 6 Wochen fast permanent schönem Wetter, darf man sich wohl über zwei Regentage nicht beschweren. Was soll’s, ziehen wir eben unsere Regenklamotten an und los geht’s. Was nass wird, trocknet auch irgendwann wieder! Wenn es nur diesmal so einfach gewesen wäre.
Glück im Unglück hatten wir am ersten Tag, denn die 17 km Bergauffahrt konnten wir noch bei trockenen Wetter abkurbeln. Immer angetrieben von Schlechtwetterwolken, ging es zwar teils steil, aber auf relativ guten Straßen hinauf. Kurz vor der Bergkuppe holte uns dann der erste Schauer ein, den wir unter einem Vordach eines verlassenen Hauses aussitzen konnten. Ein paar Kilometer weiter kamen wir an eine Grenzstation und mussten unsere Pässe vorzeigen. Weshalb es dort eine Grenze gibt, haben wir nicht herausgefunden. Wir befinden uns noch in China, wir befinden uns noch in der gleichen Provinz und wir befinden uns weitaus weiter von der Grenze zu Laos und Vietnam entfernt als noch vor zwei Tagen. Die Damen und Herren trugen alle eine Weste mit Aufschrift „Immigration“. Die Übersetzungsapp brachte auch keine Erklärung und somit bleibt dies eine offene Frage für uns. Wir sind mit dem „Grenzübertritt“ in ein anderes China eingetaucht. Wir können es noch nicht so genau fassen, aber es scheint wieder traditioneller, aber auch etwas ärmlicher zu sein. Auf den ersten Blick erscheinen die Bewohner abweisend, aber dies täuscht gewaltig.

Kurz nach der Kuppe, erwischte uns der weitaus heftigere Regenschauer, wieder fanden wir schnell ein Vordach eines Wohnhauses und teilten uns dies mit zwei Mopedfahrern, die auch nicht weiter wollten. Bei einen sagenhaft, beängstigenden Gewitter schlägt doch tatsächlich gleich neben uns der Blitz in die Scheune neben dem Wohnhaus ein. Es sprühte Funken und weiße Blitze, aber zum Glück brach kein Feuer aus. Einer der Mopedfahrer drehte sich kreidebleich vor Schreck zu uns um. Dinge, die man nicht erleben will.
Nachden wir und das Wetter sich etwas erholt hatten, sind wir mutig weiter gefahren und nach ca 1½ Stunden hörte es dann auch auf zu regnen. Leider gab es jedoch nun einige Straßenbaustellen und der Schotterweg verwandelte sich in eine Schlammpiste. Durch Schwerlastverkehr so richtig schön aufgewühlt mit großen Wasserlöchern. Aber alles noch radelnd zu bewältigen. Kurz vor unserem Ziel mussten wir dann erst einmal einen Dampfstrahler organisieren um uns einigermaßen sauber zu bekommen.

Im Hotel angekommen erklärten wir dem netten Vermieter, dass er am Besten die Polizei anruft um uns registrieren zu lassen und die zwei Herren trafen auch kurz danach ein. Wie immer, waren sie super nett und sehr freundlich. Sie organisierten sogar einen Transport für uns, für den nächsten Tag, da wir die Straße nicht fahren konnten. Abends saßen wir noch mit unserem Vermieter, dessen Frau und Freund auf dem Gehweg vor dem Hotel und tranken Tee. Für die Kinder waren wir mal wieder die Unterhaltung des Abends.




Um 8:00 Uhr am nächsten Morgen, stand ein Auto vor der Tür. Nicht unser „Wunschtransporteur“ denn beide Räder mussten liegend auf das Autodach geladen werden. Augen zu und durch. Nachdem wir losgefahren sind, wußten wir erst recht, weshalb wir diese Strecke nicht selbst fahren konnten. Baustelle um Baustelle, Schlammloch um Schlammloch und mittendrin eine Straßensperrung. Dies hieß für unseren Fahrer umdrehen und eine kleine Nebenstraße nehmen. Und dann wurde es erst richtig wild. Steil, Schotter, einspurig, Gegenverkehr, steiler Abhang. Augen zu und am besten gleich zulassen! Wir haben jedoch überlebt, sonst könnte ich diese Zeilen nicht schreiben.


Zu unserem vereinbahrten Zielpunkt ließ uns unser Fahrer aussteigen und wir rollten von dort bergab auf einer tollen, neu geteerten Straße. Alles lief prima und wir waren guter Dinge, es waren ja nur 30 km heute. Bis zur alles veränderten Baustelle. Schlimmer, als alle zuvor. Tiefe Fahrspuren, voller Schlamm und Matsch und an fahren war nicht im geringsten zu denken. Wir haben noch versucht uns eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren, aber entweder konnten oder wollten sie nicht, oder man verlangte dafür zu viel Geld. Na dann los und durchschieben für die nächsten zwei Kilometer. Irgendwann ist es egal wie tief der Schuh im Schlamm steckt, man wird gleichgültig. Und einen Vorteil hatte es, es war kein Matsch, der sich am Reifen festklebte und das Rad nicht mehr zu schieben gewesen wäre. Er war flüssig wie Suppe. Juhuuu.
Wieder einmal Glück war es, dass wir während dieser Schiebeaktion keinen Regen hatten, der setzte glücklicherweise erst danach ein. Es regnete so heftig, dass ein Teil des uns anhaftenden Schlamms schon wieder weg gespült wurde. Wie beschissen kann eigentlich so ein Tag laufen? Am Ortseingang von Niukong fanden wir einen Wasserschlauch, mit dem wir die Schlammreste noch mehr oder minder gut abwaschen konnten. Wir waren ja eh schon klatschnass, aber nun zumindest wieder einigermaßen sauber. Läuft bei uns prima!
Nach ein bisschen Hin und Her und Fragerei, hat man für uns in einem Hotel angerufen und nach einem Zimmer gefragt. Perfekt, wir konnten dort einchecken und endlich dem Regen entfliehen. Wir hätten keinen besseren Gastgeber finden können. Ein junger Mann, Mitte zwanzig, aufgeweckt, interessiert, gastfreundlich, aufmerksam. Abends hat er uns eingeladen mit ihm und seiner Familie zu essen. Ein tolles Erlebnis.


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Herzlichen Dank liebe Christa.
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