Sieben Wochen – sieben Länder

Zwei Tage haben wir die Schlechtwetterfront abgewartet und mal wieder alles richtig gemacht. Am Pausentag in Longarone sind wir nicht mehr als max 2.5 km gelaufen, nämlich zum Supermarkt und zurück. Der restliche Tag war so richtig zum Faulenzen und Entspannen. Wir haben tatsächlich nichts gemacht, oder doch, den Regen beobachtet. Diesen Job muss ja auch jemand übernehmen. Dafür sind wir genau die richtigen Leute :-). Abends gab es eine riesige Portion Nudeln mit Bolognese und danach fielen wir in eine Art Fressnarkose. Ein herrlicher Tag!

Das Wetter abzuwarten, war für die Tour am Dienstag die beste Idee. Denn morgens war der Himmel klar und blau. Wir sind 60 km bergauf gefahren und am Ende hatten wir über 1000 Höhenmeter geschafft. Jeder einzelner Kilometer beschäftige unsere Sinne in den Dolomiten. Einen besseren Tourverlauf  kann man sich nicht wünschen. Obwohl wir bereits nach 2 km am Abgrund standen! Der Radweg war weg und unsere Devise „niemals zurück“ konnte nicht aufrecht erhalten werden! Aber was stand zu Beginn des Radweges denn noch auf dem Schild? 🚳 …..Ein Schild, welches Schild?

Am Fusse unseres ersten Anstiegs treffen wir einen älteren Herr, der uns verblüfft ansieht. Er fragte uns, ob wir den Weg, den er soeben mit dem Rad gekommen sei, hinauf fahren wollen? Natürlich entgegneten wir ihm, eine andere Möglichkeit haben wir ja nicht! Er war völlig aufgelöst und meinte, das würden wir nicht schaffen, der Weg sei sehr steil und man könne an manchen Stellen mit mindestens 20%iger Steigung rechnen. Hätte er einen Hut, würde er ihn vor uns ziehen! Und deshalb Obacht! Vertraue immer auf deine eigenen Instinkte oder Versuche es zumindest! Für uns war der Weg toll zu fahren und wir hatten zu keiner Zeit eine unbesiegbare Steigung und schon gar nicht 20%. Unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Wahrnehmungen. Und das ist auch gut so, vertraue auf Dich selbst…und natürlich Deinem Ehemann Uwe, der die Touren plant 🙂

Die meisten Radfahrer kommen uns entgegen. Klar es geht für sie ja bergab. Selten überholt uns jemand, ausser ein paar wenige Rennradfahrer, die es lieben sich etwas anzustrengen. Die ganze Zeit fahren wir immer auf einer Nebenstraße oder einem Radweg der auf einem alten Bahndamm (Dolomitibahn) führt, da haben die Italiener ein Fleiß-Sternchen verdient. Ein sehr empfehlenswerter Radweg! (Venedig-München)

Dem aufmerksamen Beobachter fällt unser Aufkleber auf!

In Cortina d‘ Ampezzo zelten wir auf einem Campingplatz in 1211 Höhe. Da wird es schon ziemlich frisch und zum ersten Mal auf unserer Tour ziehen wir die warmen Sachen an und sind, bei einstelligen Temperaturen, glücklich über unseren Daunenschlafsack. Unglücklich sind wir, dass die Außenhaut unseres Zeltes morgens immer nass ist, was sicherlich nicht mit der Qualität des Zeltes zu tun hat. Es ist einfach bereits September und die Nächte kühl und feucht. Als wir gerade am Aufbau des Zeltes sind, schenken uns unsere Teschischen Nachbarn zwei Bier, da haben wir erst einmal Trinkpause. Die Nacht wird echt kalt und das gemütliche Beisammensitzen vor dem Zelt, versuchen wir auf dieser Höhe schon nicht mehr. Am nächsten Morgen beim losfahren, haben wir nur 10° aber da kommt uns zugute, dass wir noch 11 km bis zur Bergspitze haben und die lassen einen schnell wieder warm werden. Oben angekommen erwarten uns bereits drei italienische Mountainbike-Fahrer welche uns vorher überholten. Sie wollten alles wissen: woher, wohin, wie lange, welche Rad, wie geht das mit dem Riemen, Roloff oder Pinion, Radfahrergespräche eben und ein Bild mit uns auch noch zum Schluss.

Die Abfahrt verläuft weiterhin auf einem Radweg aber nun sind wir auf Südtiroler Seite und plötzlich ist alles voller Touristen. Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger überfordern uns fast ob der Masse an Menschen. Verstehen können wir es, denn die Gegend ist wirklich wunderschön. In Toblach sind wir aus den Dolomiten raus und die Berge werden sanfter. Erstmal!

Wieder finden wir einen netten Campingplatz und stellen noch mit Sonne unser Zelt in St. Lorenzen auf. Schön im hintersten Eck mit viel Ruhe und Gemütlichkeit. Morgens wieder das gleiche Spiel, unser Zelt ist total nass. Wir versuchen es wenigstens ein bisschen abzutrocknen, aber das gelingt eher schlecht. Wir packen also erstmal ein und trocknen später! Am Donnerstag fängt die Steigung in Richtung Brenner auch gleich an. Zermürbend finden wir diese steilen Anstiege, welche dann wieder im „Tal“ enden. Wir müssen auf 1350 Meter hoch und wenn man sich schon ein paar Höhenmeter erkämpft hat, will man ja nicht wieder runter. Sabine zermürben diese gifftigen Rampen und ihre Beine werden lahm. Hilft nix, nach oben ist nach oben und da müssen die Zähne eben zusammen gebissen werden. Die Aussicht entschädigt für fast alles! Zwischendurch stellen wir in einer Pause das Zelt zum Trocknen auf. Wir folgen ja brav unserem Navi und der hat eine offizielle Radroute Venedig – München gespeichert. Vorher sollten wir erklären, das die Radwege in Italien hervorragend ausgeschildert sind und es ein einfaches ist, ihnen zu folgen. Unser Navi folgt eigentlich auch dieser Ausschilderung, bis auf eine kleine Abzweigung, welche er uns anzeigte. Er folgte nämlich auf ca 4 km dem alten Brenner-Radweg. Warnung hätte für uns schon sein können, das der Weg bereits zu Beginn wenig gepflegt war und wir dies die letzten 200 km nicht kannten. 20% ige Steigungen, Geröll, Steine, zugewachsener Weg, über Stock und Stein. Aber am schlimmsten war, dass wir den, für uns unerreichbaren, moderat ansteigenden neuen Radweg, ca 100 Meter unter uns erkennen konnten. Was für eine Sch…..

Nun erklärten sich auch Sabines lahme Beine. Schlussendlich sind wir aber irgendwann oben am Brenner angekommen und das fühlt sich gleich klasse an. Nach Österreich geht’s nun bergab und in Gries buchen wir uns in eine Pension ein. Heute ist kein Tag zum Zelten, heute soll es ein bequemes Bett sein. Gute Nacht!

Höhenprofil St. Lorenzen zum Brenner!

4 Gedanken zu “Sieben Wochen – sieben Länder

  1. Carolyn Harbeck

    What as Great trip you are experiencing.
    My husband and I had planned to ride the Eurovelo 6 this year, but due to COVID-19, it has been out on hold until we are allowed to travel.
    Stay safe and happy cycling 🚵🚵‍♀️

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s