Alpabwärts Richtung Norden

Vom Brenner bis Innsbruck geht’s bergab, sagte Uwe! Doch leider stimmte dies nicht ganz so. Einige Hügel müssen wir erklimmen, bevor es dann wirklich bergab gehen kann. Die Aussicht ist grandios und entschädigt ein bisschen für die Ortschaften, welche kurz hinterm Brenner lagen. Die Menschen dort sind wirklich geplagt, in ihrem engen Tal soll die Bahn, die Autobahn, die Landstraße und wir Platz finden. Schöner wird es erst, als das Tal breiter wird und alles mehr Weite gewinnt. Wir fahren hoch über dem Tal auf einer kleinen Straße und der Radweg führt später toll durch die Innenstadt von Innsbruck und am Inn entlang, Radel- Sightseeing. Ziel ist jedoch ein Sportladen in dem ich meine reklamierte Luftmatratze tauschen kann. Vor zwei Wochen ging die Matratze kaputt und wir haben die Firma Exped angeschrieben. Für die war es kein Problem einen Reklamationsumtausch in Innsbruck vorzubereiten. Das klappte super easy und dafür gibt es 5 Pluspunkte für den Exped-Support. Sensationell!

Unser Ziel am Donnerstag war der Achensee, denn erst dort gibt es wieder einen Platz zum Zelten. Wir sind die Strecke bereits so oft mit dem Auto gefahren, denn immer, wenn wir zum Skifahren nach Hintertux fuhren, kamen wir am Achensee vorbei. Im Auto macht man sich ja keinerlei Gedanken über die Steigung die der Weg und der Berg so vorgibt. Einen Gang runter schalten und das Gaspedal durchtreten ist da schon die höchste Anstrengung. Jetzt wissen wir, es gibt einen separaten Radweg, zumeist geschottert und die steilsten Passagen freundlicherweise geteert. Es sind nur 4 km, aber die können lang werden. Ein steiler Anstieg mit zwei Schiebepassagen, viel Schweiß, verbrauchter Muskelkraft und vierhundert Höhenmeter. In der Winterzeit wird der Weg als Rodelbahn genutzt… Später, nachdem wir uns wieder auf flachem Terrain befinden, radeln wir dann bequem am See entlang zu unserem Zeltplatz. Radfahrer wie wir sind ja oft nur für einen Tag vor Ort und an diesem Campingpatz bekamen wir den „deine Anstregung um hierher zu kommen, wird nicht mit einem schönen Platz für dein Zelt belohnt“ Platz. Wieder sind wir zu müde um uns etwas zu kochen, aber unsere Proviant-Tasche gibt immer etwas her um zu „Überleben“.

Als wir wieder auf dem Rad sitzen, erwacht auch der Achensee an dessen Ufer wir entlang fahren. Toll ist es immer am frühen Morgen, die Luft so klar und noch wenige Menschen auf dem Weg. Auf der Staumauer des Sylvensteinsee Damm finden wir einen kleinen Platz, auf dem wir unser Zelt zum Trocknen aufbauen und Pause machen. Wieder können wir in den Gesichtern der Menschen lesen, das kann doch nicht wahr sein, hier können die doch nicht zelten wollen! Der Platz war zu abgefahren, um den Gedanken überhaupt in Erwägung zu ziehen! Zudem wurde er mit einer Kamera überwacht und wir hatten schon Bedenken, dass sie „Bagaluten-Alarm“ an die Polizei meldet aber es blieb alles ruhig.

Der Radweg führt uns von dort durch einen Tunnel auf die andere Seite des Stausees und abseits der Straße. Grundsätzlich kann man sagen, den Radweg Venedig-München kann jeder fahren der sich fit fühlt. Die steilen Steigungen vorm Brenner und vor dem Achensee sind nicht für jeden zu empfehlen. Sicher kann man sein Rad auch schieben, aber das ist nach oben nicht weniger kräftezehrent als zu fahren. Zumindest mit Gepäck!

Und nun sind wir schon wieder in Deutschland angekommen, nach mehr als 3000km :-). Ein Stück begleiten wir die glasklare Isar auf ihrem Weg und sehen viele Badegäste auf den kleinen Steininseln in mitten des Flusses. Kleine Oasen. In Wolfratshausen finden wir den einzigen, aber zweitbesten Campingplatz auf unserer Reise. Abends beim Lagerfeuer und Gästen aus Berlin, Frankfurt und Norbert ein Langzeit-Reiseradler aus Celle (seine Reise dauert schon 7000km), gehen weder die Gespräche noch das lecker Bier aus. Wir sind erst nach 23.00 Uhr im Zelt und das merken wir am nächsten Tag gewaltig. Wahrscheinlich eher das Bier als die Schlafenszeit. Der nächste Tag fällt schwer und jeder kleine Hügel fühlt sich an wie die Alpen. Strafe muß wohl sein! Wir suchen uns am Abend eine nette Pension in Kissing kurz vor Augsburg. Bereits vor 21.00 Uhr schlafen wir beide ein und 10 Stunden durch. Leider sind wir auch landschaftlich die letzten Tage nicht mehr so abgelenkt vom Treten, aber das wird bestimmt wieder besser. Des Weiteren fällt uns auf, dass die deutschen Neubaugebiete überall langweilig gleich aussehen. Tatsächlich sind wir in Polen und der Slowakei an Neubaugebieten vorbei geradelt, die architektonisch sehr interessant waren und wir uns oft nochmals nach den Häusern umgedreht hatten, um einen weiteren Blickwinkel zu erhaschen.

Anders als irgendwo auf unserer Reise, ist es jedoch in Bayern! Überall eine Kirche! Kirche am Berg, Kirche auf dem Hügel, Kirche im Ort, Kirche auf der Wiese, Kirche im Wald. Wenn man sich einmal im Kreis dreht, findet man im Sichtfeld mind. 5 Kirchtürme. So viele Kirchen hat niemand sonst!!! Und dann natürlich der Dialekt:

In diesem Sinne, guadnacht beinand, schlafts guad und draamts wos scheens! 🤗

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