Beautiful Wisconsin

HUMMINGBIRDS – KOLIBRI

Wir können uns nicht satt sehen, an diesem niedlichen Vogel. Sie kommen nur in Süd- Mittel- und Nordamerika vor, und bei über 350 verschiedenen Arten, werden wir wohl noch einige zu sehen bekommen. Hier im Norden sehen wir die Rubinkehlkolibris welche ca 3 g schwer und etwa 8-9 cm groß sind. Kolibris schlagen 40 bis 80 Mal pro Sekunde mit den Flügeln und durch die extrem hohe Geschwindigkeit erzeugen die Flügel ein summendes Geräusch, weshalb der Kolibri im Englischen „hummingbird“ heißt. Kolibris brauchen enorm viel Sauerstoff, sogar mehr als jedes andere Wirbeltier. Im Ruhemodus schlagen ihre Herzen 400 Mal pro Minute, aber im Flug sind es schnell 1.200 Mal – also 20 Herzschläge pro Sekunde! Außerdem trinken sie jede Menge Nektar und müssen die süße Flüssigkeit etwa alle 15 Minuten zu sich nehmen. Dafür fliegen sie an eine Blüte heran, schieben die lange Zunge aus dem Schnabel und saugen mit ihr den Necktar ein. Etwa 14 Mal pro Sekunde können die Vögel auf diese Weise „tanken“. Ein wunderbares Schauspiel.

In Manitowish Waters haben wir uns einen freien Tag gegönnt und wollten einen Spaziergang entlang des Rest Lake machen. Allerdings sind Typen wie wir hier einfach nicht vorgesehen. Es gibt Autofahrer aber auf keinen Fall Spaziergänger. Wir haben keinen Weg entlang des Sees gefunden. Wenn es dann schon nicht am See möglich ist, laufen wir eben das kleine Dorf ab, welches auch schnell erledigt war. Man sollte es mit Aktivitäten an unserem Ruhetag nicht übertreiben und so kauften wir uns ein Eis und setzten uns auf unsere Veranda. Ausflug abgeschlossen.

Überhaupt sind Bürgersteige selten zu finden, sie würden wohl auch nicht häufig benutzt werden. Hier ist das Auto wichtigstes Fortbewegungsmittel. Ein öffentliches Transportwesen oder Zugverbindung wie wir es kennen, sucht man vergebens. Wenn es um die Mobilität geht, stehen vielen Familien mehrere Autos zur Verfügung und (fast) immer gibt es auch einen PickUp. Die Lebenshaltungskosten sind gemessen an Europa sehr hoch, wenn es zu Benzinpreisen kommt, bezahlen wir in Deutschland jedoch das Doppelte für einen Liter. Uwe hat sich in Bayern immer über die Einfamilienhäuser mit Doppelgaragen lustig gemacht, hier sind es meistens drei Garagen. Die PickUp’s in den Staaten sind riesig, hoch und breit. Sehen wir mal einen in europäischem Style, sind das Spielzeugautos dagegen.

Für die Autofahrer vergeben wir acht von möglichen zehn Sternen. Sie sind sehr umsichtig mit uns, geben uns zu 95% genügend Platz auf der Straße und oft die Vorfahrt. Müssen sie mal einige Zeit hinter uns bleiben, halten sie immer genügend Abstand und wurden noch nie ungeduldig. Allerdings reicht schon eine unaufmerksame Autofahrerin und die Tour hätte beendet sein können. Irgendwie muss sie geschlafen haben als sie uns überholte und striff mit ihrem Spiegel Uwes Spiegel. Wenn man sich die Abmessungen mal vorstellt und die Lenkerbreite und Taschenbreite in etwa gleich bemisst, ist ein zwei Zentimeter rausstehender Spiegel nicht weit entfernt von einer Katastrophe. Hätte sie Uwe Lenker getroffen, wäre er sicherlich gestürzt und ich gleich hinterher. Da wir in der Stadt fuhren, hatten wir sie an der nächsten Ampel eingeholt. Sie hatte bereits das Seitenfenster geöffnet und konnte sich nicht so schnell entschuldigen, wie wir sie beschimpften. Sie war sichtlich erschrocken über den Vorfall und hat sich unentwegt entschuldigt. Uns zeigt es, dass wir noch mehr in den Rückspiegel sehen müssen und haben nun das Wort „weg!“ abgesprochen, bei dem wir beide sofort reagieren wenn es einer ausspricht.

Wir sind seit über 6 Wochen unterwegs und haben mehr als 2700 km auf dem Tacho. Die ersten Highlights z.B. Radeln durch New York City, die Niagarafälle und das Überqueren des Lake Michigan, liegen bereits hinter uns und damit auch die Bundesstaaten New York State, Michigan, Ontario in Kanada und bald auch Wisconsin. Die kommenden werden Minnesota, North Dakota und Montana sein, dort fahren wir dann erneut in nördliche Richtung nach Kanada um in den Jasper Nationalpark um in die Rocky Mountains zu gelangen. Es liegen immer noch weit mehr als 9000 km zwischen uns und der Grenze zu Mexiko.

Das Wetter spielt mit uns und unserem Wohlbefinden. Erneut sinken die Temperaturen unterhalb des zweistelligen Bereiches und dementsprechend müssen wir abermals mehrere Schichten anziehen. Bekanntlich hat immer alles einen Vor- oder Nachteil! Sonne und Moskitos oder Kälte und lästige Fliegen?  Da fragen wir uns, wo ist nun der Vorteil für uns? Wir verkriechen uns ins Zelt, wärmen uns erst mal wieder auf und werden endlich diese lästigen Fliegen los. Die Amerikaner sind gerne draußen, zum Fischen, Jagen oder Barbecue. Allerdings haben sie ihr ganzes mobiles Haus dabei. Wenn man die Wohnwagen hier sieht, wird jeder deutsche Camper neidisch. Riesige Anhänger, die seitlich oder auch nach hinten nochmals ausgefahren werden können. Das Outdoorvergnügen wird allerdings mit Generatoren zur Stromversorgung getrübt. Diese stehen selbstverständlich nicht vor deren gemütlichem Eingangsbereich sondern hinter dem Wohnwagen, also vor unserem Zelt. Grrrr. Wir haben aber auch immer was zu meckern! 

Ziemlich kalt morgens auf dem Campingplatz und man kann nachts immer noch Bodenfrost erwarten!

Achtung Elche die nächsten 16 Milen! So stand es zumindest auf einem Schild in einem National Forest, gesehen haben wir leider keinen. Obwohl wir 50 km ununterbrochen durch Waldgebiet fuhren, aber man versichert uns, in Montana werden wir sicherlich Elchen begegnen. Allerdings konnten wir diesen Schwarzbären bewundern. Er ist direkt neben unserem Pausenplatz in Glidden ausgestellt. 1968 wurde er erlegt und man kann wahrlich nicht von einem kleinen Exemplar sprechen, er ist über 7 Fuss groß. Das macht mich nicht gerade entspannter, zumal wir seit ca drei Tagen permanent durch ein Waldgebiet fahren, also irgendwo müssen sie ja sein. Obwohl wir abseits größerer Städte fahren und auch nicht viele Dörfer passieren, sind wir nie alleine. Überall findet man Einfahrten zu einsamen und abgelegenen Häusern, zumindest dann, wenn man in etwas weniger sumpfigen Gebiet ist. Zumeist könnte man das sumpfige Waldgebiet nicht betreten, zumindest erscheint uns dies von unserer Straßenansicht so. Wir genießen die Landschaft, die hügeligen Straßen und das auf und ab Rollen auf unserern Rädern. Wenn wir dabei noch Jonny Cash und June Carter hören können, sind wir richtig glücklich hier zu sein. Die kleinen Dörfer welche wir durchfahren sind genau so, wie man es sich so vorstellt. Immer eine Bar oder Restaurant, ein kleiner Store und ein paar Häuser. Die Frontansicht der Bars oder Restaurants wie wir es aus alten Filmen kennen. Natürlich etwas moderner gestaltet aber immer noch im Style von damals. Manchmal könnte auch eben mal John Wayne über die Straße laufen.

Wir lernen erneut wunderbare Menschen kennen, Kristin und Jeff laden uns zu sich in ihr tolles Zuhause ein. Ein Blockbohlen-Haus, das mit jedem Detail zu einem Kunstwerk wurde und man Tage benötigen würde um die wundervollen Details zu bestaunen. Da beide viel gereist sind, gab es genügend Geschichten, die wir uns erzählen konnten.

Thank you for you great hospitality. It was a pleasure to meet you!
Manchmal ist es egal, was um einen herum geschieht!

8 Gedanken zu “Beautiful Wisconsin

  1. Elke und Thomas H.

    Man spürt, ihr seid nach 6 Wochen so richtig im Urlaubsmodus angekommen. Wir scharren auch schon kräftig mit den Hufen und freuen uns, wenn es in einer Woche endlich los geht – leider nur für zweieinhalb Wochen.

    Gefällt mir

    1. Ja, wir haben einen guten Flow gefunden und fühlen uns hier rundum super wohl. Sind tatsächlich selbst überrascht, wie sehr wir hier willkommen, beherbergt, verwöhnt und aufgenommen werden. Die Menschen sind einfach so liebenswert, es berührt uns jeden Tag. Toll!
      Wir hoffen, ihr habt ebenso schöne Erlebnisse und wir wünschen euch viel Spaß bei eurer Tour.

      Gefällt mir

  2. Ich freu mich über jeden Bericht von euch. Toll beschrieben. Als wir das erste mal in den USA waren haben wir uns über die großen Autos und die fehlenden Gehsteige genau so gewundert. In einem Einkaufcenter saßen wir vor dem Gebäude und beobachteten die Einheimischen wie sie mit ihren riesigen Kisten von einem Geschäft zum anderen fuhren und das obwohl die nebeneinander lagen. Zu Fuß gingen nur die Deutschen. Vermutlich wurden wir mit dem gleichen Kopfschütteln beobachtet wie wir sie beobachteten. Darf ich noch auf einen kleinen Fehler hinweisen. Der Flügelschlag der Kolibris ist nicht 40- 60x pro Minute sondern pro Sekunde.
    Weiterhin gute Reise und spannende Berichte
    Herbert

    Gefällt mir

    1. Hallo Herbert, Danke für die Blumen 😁.
      Ja, andere Länder, andere Sitten dies bemerken wir jeden Tag aber daß macht auch alles so spannend.
      Danke für den Hinweis des Fehlers, tatsächlich habe ich zwei Mal nachgelesen, mich gewundert, aber weiter nicht nachgedacht! Ist berichtigt 👍
      Herzliche Grüße, nun bereits aus Chisago City in Minnesota

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s