Windspiel auf dem Weg nach Old Chico!

Als wir unsere Unterkunft „The Last Chance“ verlassen, müssen wir über den McDonald Pass radeln. Ca 10 km geht es mit gut fahrbarer Steigung nach oben und bei der Abfahrt, treffen wir doch tatsächlich wieder auf Ingo. Wir fahren zusammen bis nach Helena und dort trennen sich unsere Wege, wahrscheinlich für immer! Ingo fährt Richtung Osten und wir weiter südlich. Die Stadt Helena gefällt uns sehr gut, sie hat sogar eine Fussgängerzone. So etwas hatten wir bisher noch nicht gesehen. Eine schöne gemütliche Stadt und da wir Zeit haben, bummeln wir ein wenig durch die Stadt, beobachten die Menschen und haben tolle Gespäche mit Touristen und Einheimischen.

Wir lieben die Landschaft des Westens von Montana und es scheint, als ob wir nun die Kornkammer erreicht haben. Überall wird kräftig gewässert um die Korn- oder Kartoffelernte zu verbessern. Das Korn hat bereits seine goldene Farbe und dazwischen sind die grünen Felder von Kartoffeln oder auch Mais. In Verbindung mit dem fast wolkenlosen, blauen Himmel und umgeben von sanft bergigen, spärlich bewaldeten Terrain ist die Umgebung atemberaubend schön. Wir befinden uns auf einem Hochplateau auf 1300 Metern Höhe und die Berge um uns, sind ca. 1000 Meter höher. Nur der Wind, ist wieder einmal gegen uns und gibt uns erneut einen ziemlich harten Tag, bei zudem 40° Celsius, freuen wir uns, dass wir nach 50 km endlich die Fahrtrichtung ändern können. Tja, was sollen wir sagen, dann kommt er eben kräftig von der Seite, da hat er doch mal eben die Windvorhersage mit Westwind außer Kraft gesetzt. Es ist irgendwie jeden Tag so und manchmal könnte ich schreien, aber wen soll ich dafür verantwortlich machen?

Kleine Anekdoten zwischendurch erheitern aber immer wieder schnell die Gemüter. Z.b. sehen wir ein großes Schild für eine Bäckerei, sie bieten Frühstück und Kuchen an. Bei näherer Betrachtung finden wir den Hinweis „in 50 Milen“ das sind etwa 75 km. Na das wird wohl erstmal nichts mit Kuchen.  Dann sehen wir eine Bewässerungsanlage für ein Feld und direkt darunter stehen Kühe in Reihe und lassen sich mit kühlenden Wasser berieseln. Bei 40° würden wir uns gerne in die Warteschlange mit einreihen und auch duschen lassen.

Dusche gefällig?
Und irgendwann sind wir dann auch mal bei der Bäckerei!

Die letzten Tage sind wir aufgrund der Hitze häufig nur bis 14-15:00 Uhr gefahren, aber wir haben eine Verabredung mit Sarah und dort wollten wir eigentlich am Freitag,  5. August ankommen. Deshalb hatten wir zwei 100 km Etappen geplant. Allerdings hat uns, wie oben beschrieben, der Wind und die Hitze einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nachdem wir nach 105 km in Bozman völlig ausgepowert ankamen, haben wir den nächsten Tag gesplittet und kommen nun eben erst am Samstag an. Um ein wenig Abseits vom Verkehr fahren zu können, nehmen wir die kleinen Straßen auch wenn es evtl bedeuten könnte, dass wir auf Schotterpiste unterwegs sein müssen. Allerdings haben wir Glück und eine nette Anwohnerin sagt uns, dass die Straße vor einiger Zeit asphaltiert wurde. Sie gibt uns noch ihre Telefonnummer, falls wir irgendwann einmal Hilfe benötigen sollten, total nett, das finden wir ziemlich klasse und freundlich! Der Weg ist super schön, fast kein Verkehr, kurvenreich auf 1800 Höhenmeter aufsteigend mit tollen Ausblicken auf das Land und die wunderschönen Häuser, meist in Alleinlage. Eine wirklich schöne Umgebung, um hier zu leben, allerdings auch mit Waldbrandgefahr, welches uns am gegenüberliegenden Waldgebiet verdeutlicht wird. Vor zwei Jahren hat es hier gebrannt und ein ganzer Berghang ist nun waldlos. Sehr beängstigend!

Als wir wieder zur Hauptstraße kommen, sehen wir eine Zufahrt zum Montana Grizzly Encounter Center, ein  Grizzly-Rescue Center in das wir gehen. Hier sehen wir jetzt zum ersten Mal einen Grizzly-Bär und der ist schon ziemlich groß, obwohl er sich noch in der Wachstumsphase befindet. Er wurde in Alaska von seiner Mutter zurück gelassen und saß ca eine Woche auf einem Baum. Ein Anwohner hatte den kleinen Bär im Baum entdeckt, einige Tage gewartet, ob die Mutter zurück kommt, bis er dann das Rescue-Team informierte. Anscheinend können diese Tiere nicht mehr in die Wildbahn entlassen werden, da ihnen vieles, was sie eigentlich von den Muttertieren gelernt bekommen, fehlt. Und da steht er nun und sieht uns an, unser erster Grizzly! Besser hier, als in freier Wildbahn!

Sieht ja eigentlich zum knuddeln aus! Aber kurze Zeit später, hat er diesen Baumstumpf einfach mal mit einer Pfote weggeschleudert. Pure Kraft!
3 Jahre alt und noch in der Wachstumsphase!

Impressionen

Briefkästen zur Erleichterung für die Post direkt an der Straße!
McDonald Pass

30°C Unterschied innerhalb eines Tages! Hatten wir uns noch gestern durch die Hitze gequält, könnten wir heute Handschuhe anziehen. Zudem regnet es, aber der Wind kommt mal von hinten. Bingo! Zu Sarah haben wir noch 44 km zu radeln und das geht, bis auf die letzten zwei Kilometer auf Schotter, ganz easy. Wir machen noch einen kurzen Stopp im Café, lassen die stärkste Regenfront an uns vorbei ziehen und haben lecker Kuchen. Als wir bei Sarah ankommen, ist sie noch unterwegs, allerdings ein Zettel an der Tür, kommt rein, fühlt euch wohl. Und das ist in ihrem urgemütlichen, wunderschönen Holzhaus kein Problem.

Vorgestern 😰 – Heute 🥶 !

Warmshowers-Host

Vielen lieben Dank an Murray und Sami dass wir eure ersten WS-Gäste sein durften! Wir haben uns sehr über eure Einladung gefreut und uns sehr willkommen gefühlt!
Daniel und Anna, die wir kurz vor ihrem Umzug nach Colorado besuchen durften! Alles Gute für euch und viele nette Gäste weiterhin!
Raymond und Jenny, vielen lieben Dank für die Einladung in euer Gästehaus. Nach einem harten Tag, haben wir uns so wohl bei euch gefühlt und geschlafen wie kleine Kinder!

Und es sind auch schon die 7000 km voll 🚴‍♀️🚴‍♂️👍

3 Gedanken zu “Windspiel auf dem Weg nach Old Chico!

  1. Elke und Thomas H.

    Eine unserer Lieblingsbeschäftigungen in den letzten 4 Monaten ist es, euren Reiseblog zu lesen. Danke für die vielen Informationen, die gute Unterhaltung und die Inpirationen, die ihr uns wöchentlich ins Wohnzimmer liefert. Ich (Thomas) arbeite hart daran, dass ich Elke soweit kriege, dass auch wir in naher Zukunft längere Radreisen als 3 Wochen planen können.

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    1. Hallo ihr Zwei! Wir freuen uns immer riesig, wenn wir solche Nachrichten bekommen :-). Wir wissen, dass viele unseren Blog lesen, aber wenige senden uns einen Kommentar. Lieben Dank, dass ihr mit dabei seid.
      Zudem hoffen wir, dass ihr auch bald eure Träume verwirklichen könnt und auf Reisen geht. Es ist so schön auf der Welt (und auch ihr habt ja bereits schon viel gesehen)! Es ist so toll, wenn man losgelöst von Zeitdruck reisen darf und sich Zeit nehmen kann um die Tour zu genießen! Liebe Grüße in die Heimat 😊

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