Utah – „All In!“

Unser Tag beginnt früh morgens um 8:00 Uhr. Wir haben eine lange Strecke mit vielen Höhenmetern vor uns. Am Ende werden es die meisten geradelten Höhenmetern an einem Tag sein, nämlich 1441m Anstieg, fast 100 km, auf eine Höhe von 3200 Metern, mit morgens um die 4°C, ein Geschenk am Gipfel, einer der unerwarteten schönsten Tage und völlig leer gepumpten Beinen, zumindest bei Sabine. Aber jetzt mal von Anfang erzählt!

Wartet mal bis ihr in Utah seid, da werdet ihr schwitzen und das Radeln wird aufgrund des Wetters schwer werden. So sagten uns viele Amerikaner. Wir frieren uns die Hände ab, das ist im Moment morgens die Realität, denn es ist nachts bereits bitter kalt. Teilweise haben wir Raureif am Rad und müssen unsere warme Kleidung wieder aus den Taschen holen. Sobald die Sonne über uns steht, wird es angenehmer, der kalte Wind lässt allerdings keinen Zweifel, auch hier wird es Herbst. Am Samstag,  28.09. haben wir eine lange Etappe mit einem 50 km langen Anstieg bis auf die Spitze zum Cedar Breaks National Monument zu fahren. Wir sind völlig überrascht, von der Umgebung. Fuhren wir die letzten Tage durch trockene Canyons aus roten Sandstein, sind wir jetzt in einer Wald, Wiesen und Weidelandschaft die von kleinen Bächen durchflutet wird. Auf den Weiden stehen Pferde, Rinder und Schafherden. Viele Nadelbäume sind durch einen Brand oder wohl auch durch Borkenkäfer geschädigt, aber die vielen Laubbäume dazwischen verfärben sich bereits bunt. Nun kommen wir doch noch in den farbenreichen Genuss des Herbstes. Zu unserer linken Seite finden wir Lavagestein und können später nachlesen, dass vulkanische Aktivität einst auf dem Plateau üblich war. Die umliegenden Wälder sind aus diesen uralten Lavaströmen entstanden.Wir schlängeln uns Stunde über Stunde die wenig befahrene Straße nach oben. Eigentlich wollten wir auf einen der Campingplätze unterwegs übernachten, aber alle sind bereits wegen der Kälte und Schneefallgefahr geschlossen. Macht nichts, zumindest eine Pause können wir vor einem der geschlossen Tore machen. Dabei treffen wir Georg, der kurz bei uns anhält und Fragen an uns hat. Er selbst ist in der Nähe Münchens geboren, allerdings seit vielen Jahren in den USA. Zum Schluss bittet er uns am Gipfel beim Gipfelschild anzuhalten und hinter den Stein zu schauen. Dort würde er ein kleines Geschenk für uns hinterlassen. 

Bis dahin sind es noch einige Stunden, einige Anstiege, einige Kalorien und Schweißperlen die wir verbrauchen. Endlich am Gipfel angekommen, finden wir dass beschriebene Schild und dahinter liegen zwei kleine Bierflaschen mit seiner Visitenkarte. Wir fahren noch ein paar Meter weiter und kommen an eine kleine Wiese mit weitem Blick in einen 800 Meter tiefen Canyon abermals aus rotem Sandstein. Genau mit diesem endlos weiten Blick, genießen wir zum absolut perfekten Augenblick dass absolut tollste Geschenk! Georg du bist unser Held des Tages 🍻! Wir machen ein Bild von uns und senden es ihm zum Dank, bevor wir weiter fahren. Ein paar Zacken gibt es noch zu überwinden, was mir, Sabine,  ziemlich schwer fällt, denn meine Beine sind heute wie Brei und ich habe keine Kraft mehr. 1441 Höhenmeter am Stück haben mich mit dem Gewicht am Fahrrad ausgepowert. Die Gewissheit auf 45km steile Abfahrt treibt uns allerdings voran. Haben wir zur Auffahrt ca. 5 Stunden gebraucht, ist die Abfahrt in 1 1/2 Stunden erledigt. Abermals ändert sind die Umgebung und wir fahren in einer kurvenreichen Schlucht, umgeben von hohen Kalksandsteinen, nach Cedar City. Der Tag hatte so viel zu bieten, dass er sicherlich zu einem der Schönsten zählen darf.

Cedar Breaks Monument
Im Hintergrund bereits die Berge des Zion Nationalparks

Zion Nationalpark

Ein ganz sicheres Zeichen, dass wir uns einer touristischen Attraktionen nähern, sind immer die bunt beklebten Leih-Wohnmobile, die meisten von Europäern, insbesonderen Deutschen, gefahren werden. Merkwürdig finden wir, dass wir auf einer so schönen Straße, wie zuvor beschrieben, solche Autos nicht sehen. Das bestärkt uns natürlich in unserer Routenwahl, denn kleine Straßen, die wir oft fahren, sind meist die schöneren und andererseits können wir davon ausgehen, dass die Urlauber von einen Highlight zum anderen hächeln, um ihre ‚Liste‘ abzuarbeiten. Da erkennen wir dann auch wie reich wir sind, reich an Zeit, die wir manchmal verschwenden und immer genießen können. Urlaub und Reisen ist eben doch etwas unterschiedliches.

Im Zion Nationalpark haben wir mal wieder versucht, einen Jahrespass für die Nationalparks zu bekommen. Da der Pass 80$ für ein Jahr kostet und für alle NP gültig ist, würden ziemlich sparen. Als Radfahrer zahlen wir pro Eintritt und Person bereits 20$. Aber es scheint, als ob die Park Verwaltung dies zu verhindern weiß denn man schickt uns von A nach B und wieder zurück zu A. Wenn sie dann nicht mehr weiter wissen, lässt man uns umsonst eintreten. Uns ist es recht! In Springdale, der Ort vor dem Nationalpark , bleiben wir zwei Tage.

An unserem Pausentag sind wir im Zion NP wandern gegangen. Leider war der Himmel den ganzen Tag bedeckt, was uns jedoch nicht abhielt mal ca. 10 – 12km zu laufen. Natürlich sind bei bedeckten Himmel die Farben nicht gar so spektakulär, aber es war ein klasse Tag.

Unser Standort:

Kurz vor 10.000 km 🥳

4 Gedanken zu “Utah – „All In!“

  1. Thomas Lengenberg

    Es ist immer wieder beeindruckend eure Geschichten/ Berichte zu lesen. Und die vielen tollen Bilder , man hat sehr das Gefühl dabei zu sein oder besser, da muss ich auch hin.!!!! Die gesammelten Werke liesen sich ganz sicher als toller Reiseführer vermarkten. Weiter hin gute Fahrt, LG Thomas

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