„ÁniÁni Ánimo“!

Sehr kunstvoll gestaltete Totenköpfe überall. Wirklich super schön!

800 bis 1200 Höhenmeter rauf, 800 und mehr Meter nach unten und übernachten im Tal. So geht es für drei Tage. Mal müssen wir die Höhenmeter innerhalb 11 km schaffen, mal sind es 20 oder 30 km aufwärts. Grundsätzlich lässt es sich gut fahren, immer mal wieder ein paar steilere Passagen machen es dann doch sehr anstrengend. Erschwerend kommt hinzu, dass die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist und wir sehr „angenehm warme“ Temperaturen haben.

In einer unserer Unterkunft ist es so laut, dass man es nicht begreifen kann, wie sie es nur immer aushalten mit der Lautstärke. Wir sind relativ früh angekommen und es gibt im Erdgeschoss ein kleines Restaurant,  einen Friseur und einen Laden. Anscheinend ist in den drei Läden viel los. Sie sprechen alle laut, hören Musik und dazwischen übt ein Papagei seine Sprachkenntnisse, er wiederholt ständig  den gleichen Satz in einer Tonlage, die ins Mark trift. Wenn sie sich etwas zurufen, halt es durch das ganze Haus, denn sie schreien einmal über den gesamten Flur. Auf den Straßen fahren LKW, die ihren Motor als Bremse benutzen und diese hört man oft schon von weitem. Was wir im Moment noch vermissen, sind Böllerschläge, die zu jeder Tages und Nachtzeit gezündet werden. Kommen bestimmt noch. Mexico ist laut und schön!  Auffallend ist in den kleinen Dörfern, durch die wir im Moment fahren, dass es unzählige Restaurants gibt, aber fast keinen Lebensmittelladen mit frischen Obst und Gemüse. Wir müssen lange suchen und fragen dann einen netten Herren, der uns weiter helfen kann. Was es immer und überall in den Tiendas/ Läden gibt, sind ungesunde Dinge, Chips, Cola und Bier in allen Größen.

Auf unserem Weg begegnen uns viele Pilger, entweder werden sie im LKW, in privaten Auto, manchmal auf  Motorrädern oder mit kleinen Taxis (Tuck-Tuck in Asien genannt) transportiert. Viele sind auch zu Fuß unterwegs. Die Fahrzeuge sind alle geschmückt und voraus fährt meist ein PickUp mit einem Altar auf der Ladefläche. In den LKW schlafen die Pilger dann auf der Ladefläche. Ein weiterer LKW ist als mobile Küche unterwegs. Abends gibt es einen Treffpunkt und man kocht und ißt zusammen. November und Dezember sollen die Pilgermonate sein. Sie sind alle gut gelaunt und hupen oder winken uns zu. Bereits vor einiger Zeit wurden wir von einigen Rennradfahrern mit „ániáni ánimo“ angefeuert. Auch die Pilger feuern uns damit an, zeigen den Daumen nach oben und sind fröhlicher Dinge, so wie wir! Ánimo bedeutet Mut oder aufheitern! 

Martin und Manon aus Frankreich

Unterwegs treffen wir die ersten Radfahrer seit Wochen. Martin und Manon aus Frankreich. Wir sind zur Hälfte des zweiten Berges welchen wir erklimmen müssen und trauen unseren Augen nicht, als wir um eine Kurve fahren und tatsächlich auf Radfahrer  treffen. Wir treffen uns, verlieren uns und treffen uns wieder, so wie es zumeist ist. Am nächsten Tag begegnen wir uns bei der Abfahrt des Berges und sind umgeben von Nebel. Es ist so feucht und nass um uns herum. Nicht nur, weil evtl. Regen bevorsteht, sondern weil wir bestimmt eine Luftfeuchtigkeit von 90% haben. Unsere  Hände sind so feucht, dass sie nicht einmal durch den Fahrtwind trocknen. Die Finger sehen aus, als ob wir ein Bad genommen haben, so schrumpelig. Die Landschaft ist mystisch. Hatten wir auf der Auffahrt des Berges oft noch Pinienwälder, sind wir nun im Dickicht des Dschungel angekommen. Wie ist es nur möglich, dass eine Umgebung nördlich des Berges zu südlich des Berges so unterschiedlich sein kann? Die Nebelschwaden umgeben uns und lassen keine Sicht zu, dann reißt es auf und wir bekommen einen tollen Blick in die Ferne, bis der Dunst uns wieder umschließt. Da die Straße wohl durch vorherige Regenfälle ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde, müssen wir höllisch aufpassen. Zudem gab es eine etwas zwielichtige Begegnung, zwei Typen hatten ein Band über die Straße gespannt und wollten Geld oder sogar meine Kamera. Als ein Auto kam, mussten sie das Band loslassen und auch wir fuhren weiter und taten als ob wir sie nicht verstehen. Allerdings waren die beiden Franzosen noch hinter uns und somit warteten wir in einem guten Abstand zu den beiden „Gavonen“ auf sie und zeigten Martin und Manon an, sie sollen zu uns aufschließen. Zusammen fuhren wir dann nach San Gabriel Mixtepec und checken gemeinsam in ein Hotel ein, gehen essen und haben einen sehr netten Abend, inklusive Mezcal, welchen wir einen Tag zuvor erworben haben. (Erzeugerabfüllung)

San Gabriel Mixtepec: Zimmer war gut, das Bad ein Horror! Luxus ist nicht immer verfügbar!
Fleischeinlage für die Suppe!

Am vierten Tag in Richtung Pazifik kommt der letzte und kleinste Berg, wir sind sogar schneller oben als gedacht aber nach einer tollen Abfahrt kommen noch zwei/drei bissige kleine Hügel, die dann weh tun. Im Regenwald raschelt es immer wieder und wir entdecken Männer mit Macheten, können aber leider nicht erkennen, was sie abholzen. In den Dörfern scheint es eine übliche Ausrüstung zu sein, denn wir sehen häufig Mexikaner die eine Machete in einem Lederschaft an ihrem Gürtel tragen. Die Behausungen in den Bergen sind oft einfach, in der Landwirtschaft ist die Machete das Universalwerkzeug. Alles Handarbeit. Angekommen in Puerto Escondido fahren wir direkt zu unserem Apartment, in welchem wir eine Woche Pause machen. Als wir bei unserer gebuchten Unterkunft ankommen, sieht die Umgebung eben mexikanisch aus. Kaputte Autos am Straßenrand, Mopeds, Hunde, Hühner, Katzen und ein wenig Müll. Aber die Wohnung ist klasse mit Küche und einem separaten Schlafzimmer. Uwe kann sofort Fussball schauen und ich genieße die kleine Dachterrasse während ich hier schreibe. Zum Apartment können wir noch einen Motorroller nutzen und morgen holt uns unser Vermieter ab und zeigt uns die Gegend. Es läuft mal wieder für uns! Abends auf der Terrasse hört man über der Stadt unentwegt Hundegebell. Es müssen tausende herrenlose Hunde in den Gassen sein, die stundenlang bellen. Morgens sind es nicht mehr die Hunde, die sind wohl nun müde, jetzt Krähen die Hähne, aber auch tausende Nervensägen! Andere Welt.

Berge, Berge, Berge! Nicht über jeden, aber über viele müssen wir rüber!
Abfahrt mit Nebel im Dschungel
Dschungel so weit das Auge reicht!
Vor irgendwo dort kommen wir her!
Schwere Last!
Ciudad de Puerto Escondido

🚴‍♂️🚴‍♀️ P A U S E 🚴‍♀️🚴‍♂️

So haben wir uns das vorgestellt!
Unsere kleines Apartment mit Terrasse für eine Woche!
Pazifikküste in Puerto Escondido

Ganz ungewöhnlich, hört unser mexikanischer Nachbar, englisch sprachige Musik. Heute weckte er uns mit “ Higway to Hell“. Na dann guten Morgen! 🤟😀

4 Gedanken zu “„ÁniÁni Ánimo“!

  1. Jutta

    Hallo ihr zwei,
    Ich verfolge mit Spannung euren Reisebericht und erfreue mich gerade besonders an eurem Mexikobericht. 1996 bin ich mit einer Freundin durch Mexiko gereist und war auch in eurer Nähe: in Zipolite. Ich wünsche euch weiterhin eine tolle Zeit.
    Liebe Grüße aus Buchholz
    Jutta

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      1. Jutta

        Ich gehe davon aus, dass vom entspannten Hippiestrand nicht mehr viel übrig ist.
        Viel Spaß auf der Weiterreise.
        Liebe Grüße 😘

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