
Die Marokkaner sind immer freundlich, was uns allerdings die letzten Tage an Herzlichkeit entgegengebracht wurde, fanden wir nochmals eine Stufe höher. Von Weitem sahen wir bereits die Kinder, die sich in Stellung brachten um den bestmöglichen und guten Blick auf uns werfen zu können. Die Schule war gerade aus und alle Kinder sind auf den Straßen unterwegs.
Von überall schalte es Bonjour oder sogar How are you? Die Mädels warfen uns Handküsse zu und formten ihre Hände zu einem Herzen. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinsehen sollten um alle zu begrüßen. Die Autos hupten uns nett an und winkten uns fast alle zu. Aus den Höfen machten die Menschen auf sich aufmerksam und winkten uns zu. Wie schön, wenn man sich so sehr willkommen fühlt, was uns auch sehr oft gesagt wird: „Welcome to Morocco!“.
Einen großen Gegensatz bemerken wir auch zu den Dörfer, die wir auf 2000 Metern Höhe durchfahren haben. Da haben uns die Kinder oft nach Geld gefragt. Verdenken kann man es ihnen nicht, das Leben der Familien in der Höhe ist bestimmt sehr hart und entbehrungsreich. Hier auf ca 500 Metern blüht und gedeiht alles, die Tiere finden Gras auf den Weiden, es gibt viele Olivenhaine und landwirtschaftliche ertragreiche Felder. Diese Bedingungen bringen natürlich ein besseres Leben für die Familien mit sich und wahrscheinlich entspanntere finanzielle Begebenheiten.
Immer noch geht es täglich rauf und runter. Wenn wir steile Abschnitte bergauf fahren und von alten, meist überladenen, LKW überholt werden, verschwinden wir immer kurzfristig in einer schwarzen Wolke. Den heißen Luftstrom an der Wade werden wir bestimmt nicht vermissen, ganz abgesehen davon, dass es mit Sicherheit nicht gesund ist. Weil Atmen müssen wir bergauf immer viel. Leider sind die Fahrzeuge nicht so langsam, dass man sich daran festhalten könnte.
Unter einer Brücke die zum Teil überflutet ist, nimmt Uwe den direkten Weg und ich versuche mich seitlich entlang zu schlängeln. Und, wer bleibt stecken? Es ist auf alle Fälle nicht Uwe! Zu zweit müssen wir mein Fahrrad aus den Schlamm ziehen, denn alleine schaffe ich es nicht mehr. Innerhalb von 30 Sekunden drehen sich meine Laufräder keinen Millimeter mehr. Überall ist dieser verdammte klebrige Schlamm und wir müssen zu erst sämtliche Taschen abnehmen und die Räder mit einem Stock vom Schlamm befreien. Nachdem wir das Fahrrad wieder fahrtauglich gemacht haben und meine Schuhsohlen von der 3 Zentimeter dicken Schicht befreit sind, können wir weiter. Uwe hält bewusst einen großen Abstand zu mir, denn die Dreckklumpen, die nun bei Bewegung abfallen, fliegen nur so um mich. Es muss eine Autowaschanlage gefunden werden, mit so viel Dreck kann ich nicht leben. Die ist bald gefunden und der nette Tankwart kümmert sich um mein Fahrrad, welches danach so sauber ist, wie seit Monaten nicht mehr. Er putzt selbst meine Taschen ab und gibt mir nochmals einen Lappen für meine Schuhe. Sabine, ihr Rad und die Schuhe samt Taschen sind wieder glücklich. Nur Uwe ist nun neidisch, weil sein Rad viel dreckiger ist als meines. Tja Uwe, wärst du mal auch am Rand durch den Tunnel gefahren! Neeee, nicht wirklich eine gute Idee.
Heute hatte uns ein Marktverkäufer nachdrücklich beeindruckt. Zuerst weil er für zwei Avocados 20 Dirham (1.80€) verlangte, was schon wirklich sehr viel Geld ist. Und danach, weil er uns mit seinem Moped außerhalb der Stadt wieder einholte und uns 10 Dirham zurück gab. Wir waren so erstaunt über diese Geste und vor allen Dingen, wir hätten gerne gewusst, was der Antrieb für ihn war, uns nach 3 km nochmals einzuholen um uns Geld zurück zu geben. Ich hatte ihn am Stand nicht falsch verstanden, als er mir sagte, wie viel ich bezahlen muss und vor allen Dingen hatte ich noch kurz darauf gewartet, ob er mir doch noch Geld zurück geben will. Irgendwie hat ihn wohl das schlechte Gewissen gepackt. Dankeschön für diese Geste.
In Guercif, wo wir heute übernachten ist es abends wie in vielen Ortschaften plötzlich voller Menschen. Es ist so toll, wie das Leben hier auf den Straßen stattfindet. In den Cafés sind alle Tische besetzt und als wir einen ergattern, bin ich die einzige Frau unter ca 40 Männern. Frauen sehen wir eigentlich fast nie in einem Cafe sitzen, weder tagsüber noch abends. Männergesellschaft.









🍺Buy us a Beer! 🍺
Ab Sonntag, so hoffen wir, sind wir wieder in Spanien und da gibt es endlich wieder ein erfrischendes Bier zum Tagesabschluß. Das wir, je nach Stimmung, auch gegen ein Glas Wein tauschen können. 😎 Hier gibt’s ja nichts.
Erwin und Corine
Wieder schöne Bilder! Geniesse noch den reste eure Tagen in Marokko
Glorypedalling
Dankeschön! Wie gefällt es euch zuhause?