Wir kommen zufällig nach Arroyo del Ojanco, wo vom 22. bis 25. April die Festlichkeiten zu Ehren des Heiligen Markus gefeiert werden. Diese über hundert Jahre alte Tradition gilt landesweit als eine der besten Stierkampfveranstaltungen der Welt. Zehntausende Besucher aus ganz Spanien strömen herbei, und die Straßen der Stadt sind bevölkert von fast hundert prächtigen Stieren verschiedener spanischer Zuchtbetriebe.

Über einen Wirtschaftsweg kommen wir von hinten in die Stadt Arroyo del Ojanco. Wir sehen eine Menschenmenge und die Ambulanz und dachten es gibt vielleicht einen Unfall oder sonstiges. Da es keine andere Zuwegung gibt, müssen wir daran vorbei und zum Glück sehen wir bereits die Absperrungen und das Treiben in den Gassen.  Am 25. April, der Tag unserer Ankunft, werden die Stiere ab dem frühen Morgen auf die Straßen geführt, geschmückt mit Glöckchen und Rasseln, Geschirren und Kopfstücken – ganz im Sinne des traditionellen „Cascado“-Verfahrens. Während dieser Tage verwandelt sich die Stadt in eine der Hochburgen des Stierkampfes. Ein Teil der Innenstadt ist wie ein Hochsicherheitstrakt mit hohen Stahlzäunen abgeriegelt, damit nur ja nichts passieren kann. Und wir, mit unseren Rädern zufällig mittendrin.  Großartig, Reisen ist toll!

Schutz der Tiere: Im Gegensatz zum klassischen Stierkampf steht hier das Geschick der Läufer und die Interaktion mit dem Tier im Vordergrund. Die Stiere werden nach ihrem Lauf normalerweise wieder verladen und zurück auf die Weiden der Züchter gebracht.

Am Abend kehren wir in eine Gastwirtschaft ein. Wir können das Treiben noch Live in Fernsehen weiter verfolgen und obwohl nicht viele Männer anwesend sind, ist es unheimlich laut in der Bar. Ca. 5 Männer stehen am Tresen, gefühlte Lautstärke von ca 15 Männern. Alle sprechen und wir fragen uns, wer hört eigentlich zu? Wir können es nicht sein, denn uns nimmt man in diesem Zusammenhang nicht wahr. Also wer sind die Zuhörer? Egal, Hauptsache Reden!

Hängt in der Bar und macht uns hungrig.

🫒🫒🫒

Seit Tagen begleiten uns tausende Olivenbäumen. Andalusien ist zweifellos die Olivenhain-Hochburg Spaniens und sogar das weltweit größte Olivenanbaugebiet, hier erstrecken sich die Bäume bis zum Horizont. Im globalen Vergleich stammen bis zu 40 % des weltweit produzierten Olivenöls allein aus Andalusien.
Die Provinz Jaén, in der wir uns im Moment befinden, gilt als das „Epizentrum“ der Branche und deshalb sehen wir seit Tagen nur Olivenbäume. Die Frage, die sich uns stellt ist natürlich „ist so viel Monokultur gut?“ (Kann nicht sein.)

Oliven über Oliven in Andalusien.
Auf rund 1,7 Millionen Hektar wachsen fast 200 Millionen Olivenbäume.

Gestern Bullen – Heute Freibier!

Als sich die Berge zu Hügel formen und es endlich etwas flacher wird, steht uns eine alte Bahntrasse als Radweg zur Verfügung. Auch diese geht über 60 km bis auf eine Höhe von über 1000 Metern aber es ist ein sanfter Anstieg. Unterwegs treffen wir ein spanisches Pärchen auf Kurzurlaub und einen Niederländer, die alle in entgegengesetzte Richtung fahren. Dem Niederländer empfehlen wir, sich zu beeilen, denn im 5 km entfernten Ort Alcaraz gab es für uns Freibier. Aufgrund einer Radsportveranstaltung gab es auf der Plaza Essens- und Getränkestände und da wir ja auch Radfahrer sind, hat man uns gleich kräftig mitversorgt. Wir hatten weder so viele Kilometer noch so viele Höhenmeter (ausnahmsweise) an dem Tag wie die Teilnehmer, aber verdient haben wir uns das Bier allemal. Radlerglück! 💪

Alcaraz voller Radfahrer.
Völlig veränderte Landschaft in Castilla la Mancha
Via Verde de la Sierra de Alcaraz.
Eine alte Bahntrasse die wir fast für uns alleine nutzen können.
Tunnel über Tunnel. 
Manchmal beleuchtet und einige stockdunkel und lang.
Monokultur auch in Castilla de Mancha. Hier sind es Mandelbäume

Nun benötigen wir nur noch beim Zelten Glück. Wir sind auf der Bahntrasse und wollen dort an einem kleinen Rastplatz zelten. Ob es erlaubt ist, wissen wir nicht. Uns hat jedenfalls niemand gestört oder gebeten zu gehen. Da wir allerdings ca 300 Meter von einem Dorf entfernt schliefen, sind wir immer durch Geräusche wach geworden und zudem war es grenzwertig kalt. Irgendwas ist ja immer 🙃

Unser Zeltplatz auf der Bahntrasse

In der nächsten größeren Stadt, in Albacete angekommen haben wir auch gleich eine Verabredung. Unser alter Freund und Ex-Kollege, der nach Spanien ausgewandert ist ( Insider werden wissen – Tom V.), kommt extra zwei Stunden mit dem Auto zu uns gefahren um uns zu treffen. Darüber haben wir uns natürlich riesig gefreut, das war toll Tom!

🍺Buy us a Beer! 🍺

Dankeschön liebe Andrea und Dirk 🤗