Schon am zweiten Radtag haben wir eine große Herausforderung zu stemmen. Wir wollen über den Anba La Pass, dessen Passhöhe auf 4700 m Höhe liegt. Ob uns mulmig ist? Aber ganz sicher.

Es sind nur 20 km bis zur Passspitze, aber wir haben über 700 Höhenmeter zu bezwingen, um dorthin zu kommen. Die Landschaft begeistert uns schon, überall sind Yakherden und etwas  abgelegen der Straße, sehen wir auch Nomaden in ihren Zelten. Die Straße ist neu geteert, breit mit Seitenstreifen und relativ ruhig. Die Autos oder LKW die hier hochfahren lassen uns genügend Platz. Ab und an kommt ein Moped vorbei und da müssen wir schon mal zum Fotostopp anhalten. Langsam schrauben wir uns nach oben und legen  immer wieder eine kurze Pause ein.

Das haben wir alles geschafft!
Wir kamen unten aus dem Tal
Tibetische Nomaden
und oberhalb unsere Straße

Am Pass angekommen, wehen die typisch tibetischen Fahnenbänder und Chinesen werfen beim Aussteigen kleine Zettel mit Schriftzeichen in die Luft. Soll sicher Glück bringen. Na gut, wir haben keine Zettel und sind dennoch auf der glücklichen Seite des Lebens, da wir dies alles erleben dürfen. Die Sauerstoffflaschen haben wir nicht benötigt, wir fühlten uns immer gut und hatten keine Atemnot.

Lt. unseren Aufzeichnungen waren wir nicht ganz auf 4700 m Höhe

Beim überqueren des Passes haben wir die Provinz Quinghai verlassen und befinden uns nun in Sichuan. Im nächsten Ort, in Cuocha, haben wir in einem Hotel eingecheckt, mit Sauerstoffzufuhr im Zimmer, was wir zwar nicht wirklich benötigten, aber es kann ja auch nicht schaden. Die Einfahrt in den Ort ist spektakulär, denn es befindet sich eine riesige Klosteranlage am Ortseingang.

Das Sershul-Kloster ist das größte Gelugpa-Kloster in der Region Kham und beherbergt die einzige buddhistische Klosteruniversität in der Region Kham, die berechtigt ist, den höchsten tibetisch-buddhistischen Geshe-Grad zu lehren und zu verleihen.
Es ist die Heimat von 1300 Mönchen und ist das religiöse Zentrum des Kreises Sêrxü – des höchstgelegenen, größten, ärmsten, kältesten und abgelegensten Kreises in der Provinz Sichuan.

Dies ist nur ein kleiner Teil des Klosters.

Am nächsten morgen sollten wir erfahren was es bedeutet im kältesten Kreis Sichuans zu sein. Es hat über Nacht leichten Schneefall gegeben. Da haben sich ja mal schnell alle Recherchen im Vorfeld als falsch ergeben. Wir haben uns umfangreich informiert und überall hieß es, um diese Jahreszeit stabiles Hochdruckwetter. Nun gut, die ersten Tage stimmte es ja auch. Zum Glück hatten wir für diesen Tag nur 30 Kilometer geplant. Wir warten erstmal ab, bis sich das Wetter etwas beruhigt bevor wir losradeln. Es hat morgens -3°C und wir kramen alles aus unseren Taschen um warm genug angezogen zu sein, um 11:30 fahren wir los. Bei leichtem Graupelschauer sind die ersten 20 Kilometer mit 400 Höhenmetern besser als befürchtet zu fahren. Für die letzten 10 km ging es nur noch bergab und somit waren wir zwar schnell, aber auch ziemlich durchgefroren in unserem Hotel in Sêrxü. An Zelten ist ja überhaupt  nicht zu denken. Die Wettervorhersage sagt leider auch für die nächsten Tage nichts Gutes voraus und somit benötigen wir Plan B. Bei Schnee über den nächsten 4700m Hohen Pass zu fahren, wäre jetzt nicht unsere erste Wahl.

Die Gemeinde Sêrxü hat 100.000 Einwohner und davon sind 97% Tibeter. Hier muss unser Übersetzer auf tibetisch umgestellt werden, da anscheinend chinesisch weniger gesprochen wird. Wir konnten uns in einem Restaurant deshalb nicht verständigen. Aber alle Gerichte sind immer auf Bildern dargestellt. Wenn man dann etwas auswählt ohne Fleisch ist man schon mal davor sicher, keine Kuddeln oder sonstige  Innereien zu erhalten.

Pass bezwungen!

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Ein Prosit auf Kathi und Heiko. Vielen lieben Dank an euch zwei 😘